Sie ist eine wertvolle Insektenweide, geschätzte Heilpflanze, ein altes Gemüse – und eine potenzielle Bedrohung für hiesige Ökosysteme: An der Gemeinen Nachtkerze lassen sich unsere Sichtweisen auf Pflanzen aufzeigen.

Was soll in meinem Garten oder auf meinem Balkon wachsen?

Diese Frage lässt sich nicht nur mit Blick auf den Standort, den Boden und das Mikroklima diskutieren. Es gibt auch viele andere Kriterien, nach denen wir uns für oder gegen eine Pflanze entscheiden.

Objektiv, Subjektiv. Nach reichlich Recherche. Oder spontan, aus dem Bauch heraus.

Häufige Kriterien für mich sind unter anderem:

  • Vorliebe: Mag ich die Pflanze leiden?
  • Mehrwert: Welchen Nutzen hat die Pflanze – für mich oder die Tiere?
  • Aufwand: Wie viel Pflege benötigt sie?
  • Herkunft / Vorkommen: Ist sie heimisch?

Doch manchmal kommt es vor, dass sich diese Kriterien widersprechen.

Und das ist ein Dilemma.

(In der Regel finde ich daraus einen Weg, einen Kompromiss – für mich ganz persönlich. Schwieriger ist es, wenn andere mich um eine Empfehlung bitten oder um Rat fragen.)

Die Gemeine Nachtkerze ist ein gutes Beispiel für ein solches Dilemma.

Kurz vorgestellt: Gemeine Nachtkerze

Bevor wir tiefer einsteigen, ganz kurz vorweg: Hier geht es konkret um die Gemeine Nachtkerze, Gewöhnliche Nachtkerze oder auch Zweijährige Nachtkerze – botanisch Oenothera biennis.

Sie ist anspruchslos und braucht nicht viel Pflege. Einen sonniger, warmer Standort behagt ihr am besten. Der Boden sollte sogar eher trocken, nährstoffarm und gern auch kalkhaltig sein. Dank ihrer Pfahlwurzel kommt sie mit Trockenheit gut zurecht und auch im Kübel wächst sie problemlos, wenn dieser groß genug ist.

Zur Blüte kommt die Nachtkerze erst im zweiten Jahr, meist ab Juni und bis in den September hinein. Im ersten Jahr bildet sie eine am Boden liegende Rosette aus länglich-eiförmigen Blättern.

Die Gewöhnliche Nachtkerze ist eine von mehr als 120 Nachtkerzen-Arten.

Bis zu dieser Recherche war mir gar nicht bewusst, dass in meinem Garten unterschiedliche Nachtkerzen wachsen – und offensichtlich keine Oenothera biennis, was mich dann doch erstaunt und persönlich ein wenig erleichtert hat.

Aber ich greife vor.

Nächtlicher Tierfreund

Die Nachtkerze öffnet in den Abendstunden innerhalb weniger Sekunden ihre zitronengelben Becherblüten – ein Schauspiel, das man mal gesehen haben muss. Man kann sie wirklich gut beobachten!

Die intensiv duftenden Blüten bieten so die ganze Nacht hindurch Nahrung für Insekten, was sie insbesondere für Schwärmer und andere nachtaktive Schmetterlinge bzw. Insekten attraktiv macht. Und damit garantiert sie auch indirekt auch Futter für andere nachtaktive Tiere – Fledermäuse, zum Beispiel.

Im Blindengarten Bremen ist die Duftpflanze ebenfalls zu bewundern.

Auch am nächsten Tag ist die Blüte noch geöffnet. In der Regel ist sie am frühen Nachmittag verblüht.

Die Blätter der Gewöhnlichen Nachtkerze sind ebenfalls gefundenes Fressen für Insekten. Sie dienen einigen Schmetterlingsarten als Raupenfutter.

Und die Samen schließlich werden später unter anderem von Vögeln gefressen.

Heilende Wirkung

Von den ölhaltigen Samen profitieren aber auch wir: Sie werden in der Medizin und in der Kosmetik genutzt. Vielleicht hast du schon mal Hautcremes mit Nachtkerzen-Öl gesehen.

Die Wirksamkeit als Heilpflanze sind laut meiner Recherchen jedoch noch nicht ausreichend belegt bzw. erforscht.

Nichtsdestotrotz wird in der Gemeinen Nachtkerze eine Pflanze mit Potenzial gesehen. Und um dieses bekannter zu machen, wurde sie zur Heilpflanze des Jahres 2026 ernannt.

Außerdem wurde sie früher als Wildgemüse genutzt.

Potenziell invasiver Neophyt

Klingt alles super soweit, aber mit Blick auf den Naturschutz kommt nun (möglicherweise) das Aber.

Die Gewöhnliche Nachtkerze steht nämlich unter Beobachtung – genauer gesagt: Auf der Beobachtungsliste des Bundesamtes für Naturschutz. Und zwar mit dem Verdacht, ein potenziell invasiver Neophyt zu sein.

Und nicht nur sie. Die Kronen-Nachtkerze (Oenothera coronifera) steht ebenfalls auf dieser Beobachtungsliste.

Die Rotkelchigen Nachtkerze (Oenothera glazioviana), die in meinem Garten blüht, hat sich inzwischen ebenfalls in der Natur etabliert. Sie gilt aber (bislang) nicht als potenziell invasiv.

Podcast-Folge zur Gemeinen Nachtkerze

Warum die Gemeine Nachtkerze als potenziell invasiver Neophyt eingestuft wird, was das Problem konkret ist und ob wir sie mit Blick auf dem Naturschutz im Garten oder auf dem Balkon haben sollten – das erläutere ich in der Folge „Die Gemeine Nachtkerze“ des Garten-Podcasts „Grüner wird’s nicht“.

Gartensendung Radio Bremen Eins Grüner wird's nicht Gartenexpertin Melanie Öhlenbach Foto Jörg Sarbach

Weitere Tipps zur Pflanzen zur Pflanzen-Auswahl (nicht nur) für Kübel und Balkonkasten kannst du übrigens im Beitrag „So findest du die richtigen Pflanzen für deinen Balkon“ nachlesen.

Mein Fazit

Was habe ich aus der Recherche zur Gemeinen Nachtkerze gelernt?

  • Jede und jeder kann und muss für sich entscheiden, welche Pflanzen im eigenen grünen Paradies wachsen. Aber wir tragen auch Verantwortung dafür, was sich außerhalb dieser Grenzen verbreitet und sich damit unserer Kontrolle entzieht.
  • Es gibt viele Vielzahl an Nachtkerzen-Arten, die in Deutschland inzwischen wild vorkommen – oder sogar hier erst durch Kreuzung entstanden sind.
  • Es ist eine gute Idee, immer mal wieder die Pflanzen zu bestimmen, die im Garten oder Balkon wachsen.

Und jetzt du!

Wie stehst du zur Nachtkerze?


Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

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