Kistengrün

Balkongarten anlegen für Anfänger: So baut ihr Gemüse und Kräuter auf dem Balkon an

Ihr habt Lust auf frische Kräuter und selbst gezogenes Gemüse, aber keinen Garten? Kein Problem! Gartenexperte Hartmut Clemen erklärt, welche Pflanzen ihr auf Balkon oder Terrasse anbauen könnt und worauf ihr bei der Pflege eures Balkongartens achten solltet.

Herr Clemen, macht es in Ihren Augen überhaupt Sinn, Essbares auf dem Balkon anzubauen?

Absolut!

Gärtner sind Genussmenschen. Und das Schöne am Balkongärtnern ist: Auch Laien haben ganz schnell Erfolgserlebnisse, ohne sich gleich einen eigenen Garten zulegen zu müssen. Eine solche Anschaffung schreckt viele erst mal ab.

Balkongärtnern aber bedeutet Gärtnern auf Zeit: Die Saison geht gerade mal ein halbes Jahr, von April bis Oktober. Und man kann ganz einfachen Mitteln und mit wenigen Pflanzen anfangen.

 

 

Braucht es fürs Balkongärtnern besondere Sorten?

Nein, am besten eignen sich aber robuste, anspruchslose Pflanzen.

Es gibt zwar bei Tomaten speziell gezüchtete Balkontomaten, bei denen die Pflanzen recht klein bleiben. Aber man kann auch ganz normale Tomaten anbauen.

Am besten sind Wildtomaten wie Rote Murmel, Humboldtii oder Pubescens. Sie sind robust und pflegeleicht: Man muss sie nicht ausgeizen und sie nicht so anfällig für Kraut- und Braunfäule.

 

 

Welches Gemüse empfehlen Sie noch für Einsteiger?

Mangold und neuseeländer Spinat. Beide lassen sich im Balkonkasten oder Kübel ziehen und kommen immer wieder. So kann man den ganzen Sommer hindurch ernten.

Die äußeren Blätter des Pflücksalats kann man einzeln ernten.

Bei Salaten empfehle ich amerikanischen Pflücksalat, weil er viel ergiebiger als Kopfsalat ist: Den erntet man nämlich nur einmal – und dann war’s das. Wenn man beim Pflücksalat nur die äußeren Blätter entfernt, wachsen immer welche nach.

 

 

Welche Kräuter dürfen Ihrer Ansicht nach auf keinen Fall in einem Balkongarten fehlen?

Staudenbasilikum ist einfach super.

eine Biene nascht Nektar an der violetten Blüte des StrauchbasilikumMan kann die violetten Blätter von den Eisheiligen ab Mitte Mai bis in den September hinein ernten und tolles Pesto daraus machen. Und die Bienen lieben ihn. Ein Traum!

Aber auch Salbei, Lavendel und Rosmarin machen sich wunderbar auf dem Balkon.

 

 

Von welchen Pflanzen raten Sie ab?

Schnittlauch geht sehr schnell in die Blüte. Bei Wurzelgemüsen und Kartoffeln sind die Erträge nicht sehr hoch.

Kartoffeln in einem Reissack angebautEs ist zwar eine nette Spielerei, Kartoffeln in einem Sack anzubauen, aber eigentlich sind sie fürs Balkongärtnern nicht geeignet: Sie brauchen einen offenen Boden mit einem hohen Mineralgehalt – und das kann ihnen die Balkonerde nicht bieten.

Auch Obstbäume gehören für mich nicht auf den Balkon. Selbst bei speziellen Zuchtformen wie Spindelgehölzen geht das nur zwei, drei Jahre lang gut im Topf. Aber danach wollen sie in den Garten.

 

 

Kann ich auf einem schattigen Balkon etwas Essbares anbauen?

Für den Anbau von Gemüse ist Licht sehr wichtig.

Salat und Mangold brauchen aber nicht den ganzen Tag über Sonne. Neuseeländer Spinat kommt auch mit Halbschatten gut zurecht.

Vollschatten ist aber schwierig. Die Garten-Melde kommt damit klar, ihre Blätter kann man Schnittsalat beimengen.

 

 

Muss ich Vermieter oder Nachbarn fragen, wenn ich den Balkon bepflanze?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Prinzipiell dürfen Rettungswege nicht versperrt werden.

Am besten ist es, im Mietvertrag nachzusehen oder bei der Verwaltung anzufragen, damit es keinen Ärger gibt.

 

 

Balkone haben eine kleine Grundfläche. Haben Sie einen Tipp, wie kann man den Platz optimal ausnutzen kann?

Mit einem alten Weinfass oder Mörtelkübeln kann man schöne künstliche Terrassen anlegen. Auch Tontöpfe an der Hauswand befestigt, bieten Platz für Kräuter & Co.

 

 

Von Schuhen, Handtaschen bis hin zu Kisten und Geschirr: Urban Gardener tendieren ja dazu, alles Mögliche zu bepflanzen. 😉 Was eignet sich Ihrer Ansicht nach besonders gut – und was geht gar nicht?

Schwarzäugige Susanne

Im Prinzip kann man alles bepflanzen: Kisten, Jutesäcke, Schuhe, alte Zinkwannen.

Allerdings sollten sich die Pflanzen wohlfühlen, sonst gehen sie ein: Rosmarin und Salbei brauchen zum Beispiel viel Platz, Radieschen und Mangold gedeihen auch in einem Balkonkasten.

Und die Behälter sollten immer ein Loch im Boden haben. Das Wasser darf darin nicht stehen, sonst faulen die Wurzeln.

 

 

Was muss ich sonst bei Balkonpflanzen beachten?

Nichts gedeiht ohne Pflege, sagte schon Carl von Linné.

Prinzipiell empfehle ich, Gartenerde mit Kompost und Hornspänen anzureichern. Auf Mineraldünger würde ich verzichten. Es gibt inzwischen viele Studien, die belegen, dass mineralgedüngtes Gemüse Krebs verursacht.

Tomaten freuen sich auch auf dem Balkon über Gesteinsmehl, um der Kraut- und Braunfäule vorzubeugen.

Zwiebelpflanzen und Stauden sollten im Januar und Februar abdeckt werden: Durch den Wind trocknen sie schnell aus. Ideal sind Tannenzweige vom Weihnachtsbaum. Den Stamm kann man im Sommer als Rankhilfe für Schwarzäugige Susanne oder Wicken benutzten.

 

 

Im Sommer kann es ja ganz schön heiß werden. Haben Sie einen Tipp fürs Wässern?

Erstaunlicher Weise vertrocknen die meisten Stauden und Gemüse nicht.

Sie ersaufen.

Daher sollte man erst eine Fingerprobe machen, bevor man gießt. Erdfeuchte reicht völlig aus.

Damit die Erde das Wasser besser speichert, würde ich Blähton untermischen. Auf Torf verzichte ich aus Überzeugung, Kokosfaser oder Geohumus sind weitere Alternativen.

 

 

Wenn jemand keinen Balkon oder Garten hat: Was ist auf der Fensterbank möglich?

Nicht sehr viel.

Drinnen ist die das Klima zu trocken, draußen ist es zu heiß. Bis Anfang Mai könnten Radieschen funktionieren. Darüber hinaus noch Thymian, Kapuzinerkresse und Garten-Melde.

Wer neugierig ist, kann sich auch bei Urban-Gardening-Projekten einbringen. Wer langfristig gärtnern will, ist herzlich willkommen, in einem der vielen Kleingartenvereine Mitglied zu werden.

 

Vielen Dank für das Gespräch!
Ihr habt noch Fragen zum Balkongärtnern? Hinterlasst einen Kommentar unter diesem Eintrag – ich mache mich auf die Suche nach Antworten! 🙂

 

Zur Person

Hartmut Clemen ist Leiter des Beratungszentrums FlorAtrium. Als Landesfachberater beim Landesverband der Gartenfreunde steht er Hobbygärtnern mit Rat und Tat zur Seite und gibt ihnen Tipps bei der Gartengestaltung und Pflege.

Clemen hat sein ganzes Berufsleben im Garten verbracht. Was ihn so fasziniert: „Ein Garten ist nie fertig, er ist ein endloses Feld zum Experimentieren. Er fordert vom Gärtner Körper, Geist und Seele, gibt aber auch vieles zurück: Man kann ihn mit allen Sinnen wahrnehmen, ihn sehen, schmecken und riechen – und genießen.“

 

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5 Kommentare zu “Balkongarten anlegen für Anfänger: So baut ihr Gemüse und Kräuter auf dem Balkon an

  1. Linda

    Ich finde es schon erstaunlich wie viele möglichkeiten es gibt Gemüse ohne Garten anzubauen! Ich werde mir das ein oder andere für die Zukunft abschauen.
    Vielen Dank

    1. Mel Autor des Beitrags

      Liebe Linda,

      in der Tat ist auch auf einem kleinen Balkon allerlei möglich. 🙂
      Für eine komplette Selbstversorgung reicht es natürlich nicht – muss aber auch nicht sein.
      Viel Spaß beim Nachgärtnern! 🙂

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  2. Nora

    ich habe noch einen Tipp für die Fensterbank.
    Es gibt eine Tomatensorte, die sich Micro Tom nennt.
    Die Pflanze wird ca. 15 cm hoch und hat ganz kleine gelbe oder rote Früchte.
    Ich habe diese Sorte in meiner Wohnung immer in einem kleinen Blumentopf am Fensterbrett stehen gehabt und habe immer eine kleine Ernte erzielt.
    Ich pflanze diese Sorte noch immer gerne an, obwohl ich jetzt einen Garten habe…
    🙂

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Nora,

      das klingt ja nach einer idealen Tomatensorte für Fensterbank – 1000 Dank für den Tipp! 🙂
      Lässt sich die Tomate auch ganzjährig anbauen und beernten? Drinnen sollte das ja funktionieren! Das wäre dann mal ein schönes Winterprojekt… 🙂

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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