Mein Vater war beileibe kein Herumtreiber. Wenn ich an den Song „Papa was a Rolling Stone“ denke, erinnere ich mich vielmehr an eine Geschichte mit ihm und ein paar (rollenden) Steinen. Wie ich jetzt darauf komme? Es ist Blind-Date-Zeit!

Eine Trockenmauer im Botanischen Garten Bielefeld
Eine Trockenmauer im Botanischen Garten Bielefeld.

//Transparenzhinweis: In diesem Beitrag nenne und verlinke ich ohne Gegenleistung Gartenblogger*innen, die ebenfalls am Blind Date teilnehmen. Check `em out: Sharing is caring! Außerdem nenne ich im Text noch andere bekannte Menschen, um diese Geschichte zu erzählen. Bezahlt haben die mich aber auch nicht dafür.//


Was kommt dabei heraus, wenn sich 16 Blogger*innen zu einem festgelegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen?

Unter dem Motto „Papa was a Rolling Stone“ hat jede*r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von The Temptations geschrieben.

Wir wissen nicht, was die Anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

Mit dabei sind:

Gartenbaukunst, Beetkultur, Der kleine Horrorgarten, Cardamonchai, Rienmakäfer, Garteneuphorie, Garteninspektor, Faun & Farn, Laubenhausmädchen, Naturgartenideen, Ein Stück Arbeit, Herwoodenheart (Instagram), Kistengrün, WirGartenkinder, Wohnungsgarten und Berlingarten.

Viel Spaß beim Lesen!

Papa was a Rolling Stone

Ich muss gestehen, ich hab mich noch nie mit dem Song „Papa was a Rolling Stone“ auseinandergesetzt. Ich kenne den Titel und den Song habe ich auch schon mal gehört. Aber ich wusste zum Beispiel nicht, dass der Song mehr als 40 Mal gecovert wurde!

Abgesehen davon, was im Netz nachzulesen ist, kann ich euch also nichts zu dem Song sagen. Aber ich kann euch eine Geschichte erzählen, die mir spontan dazu einfiel. Von Steinen und meinem Vater. Und von (sprichwörtlich) rollenden Köpfen – allen voran der meinige.

Mein Vater und die Steine

Ich weiß gar nicht mehr genau, in welchem Jahr es war. Es war auf jeden Fall zu einer Zeit, als sich im Fernsehen nachmittags regelmäßig ein Löwenzahn durch den Straßenasphalt bohrte. Und dann erklärte ein nahezu glatzköpfiger Mann mit runder Brille und Latzhose, der in einem Bauwagen lebte, uns Kindern die Welt. Und vor allem: was es mit der Natur so auf sich hat.

Einen Löwenzahn wächst aus einer Ritze.
Löwenzahn

Peter Lustig war für mich ein Vorbild – wahrscheinlich ähnlich wie Greta für viele Jugendliche heute. Was mir an ihm gefiel: Er konnte nicht nur verständlich erklären, sondern animierte auch zum Mitmachen und Ausprobieren.

Auch wenn ich mich an die Folge nicht mehr erinnern kann, bin ich mir sicher: Peter Lustig war nicht ganz unschuldig daran, dass ich eines Tages dachte: „Die Mauer muss weg!“ Und so brachte er den Stein im wahrsten Sinne des Wortes ins Rollen.

Natürlich ging es dabei nicht um die Mauer. Die Mauer, die ich einreißen wollte, stand im Garten einer Freundin. Und eigentlich wollte ich sie auch nicht komplett beseitigen, sondern nur anders wieder aufbauen.

Als Trockenmauer.

Denn eine Trockenmauer, so glaube ich mich an Peters Worte zu erinnern, sei ein wichtiger, aber immer seltener werdender Wohnraum für Tiere. Eidechsen könnten auf den warmen Steinen sonnenbaden, Hummeln, Ameisen und andere Insekten in den Nischen wohnen. Nahrung bieten ihnen die vielen kleinen Blumen, die in den Ritzen wachsen und kunterbunt blühen.

Kurzum: Eine Trockenmauer ist ein paradiesisches Biotop, das sich ganz einfach erschaffen ließe und auf jeden Fall nützlicher sei als so eine Mauer, die nur Mauer ist.

Das hat überzeugt. Also begannen ein paar Freund*innen und ich kurzerhand, die Mauer im Garten einzureißen. Natürlich ohne um Erlaubnis zu fragen. Wer sollte schon was dagegen haben? Schließlich wollten wir ja was für die Umwelt tun und die Mauer auch wieder aufbauen. Nur eben – anders.

Eine Eidechse auf einer Trockenmauer im Botanischen Garten Bielefeld
Trockenmauern bieten Eidechsen einen Lebensraum.

Du kannst dir sicher denken, wie die Geschichte ausgeht. Natürlich haben wir Ärger bekommen. Natürlich wurde die Mauer wieder aufgebaut. Allerdings nicht von uns, sondern unseren Vätern, die völlig unbeeindruckt waren von unseren Umwelt-Aktivitäten. Im Gegenteil: Mein Vater war alles andere als begeistert, dass er für die grüne Schnapsidee seines öko-angehauchten Nachwuchses den Samstagnachmittag opfern musste.

Und damit wir ja nicht noch mal auf so dumme Ideen kommen, haben die Erwachsenen die Steine ordentlich festbetoniert.

Mein Kopf rollte natürlich nur sprichwörtlich, um eine Standpauke kam ich nicht herum. Meine Meinung geändert hat sie aber nicht: Ich finde Trockenmauern immer noch großartig und bin der Ansicht, dass wir beim Bauen mehr Natur integrieren sollten.

Neu ist diese Idee nicht: Peter Lustig hat mal eine Löwenzahn-Folge zu grünen Wänden gemacht. Aber das ist eine andere Geschichte…

Das Blind Date der Gartenblogger*innen wird organisiert von Gartenbaukunst. Vielen Dank dafür, lieber Björn!

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Mel

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

19 Kommentare

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Franziska · 30. Mai 2019 um 11:12 am

Peter Lustig habe ich als Kind auch mit Hingabe geguckt! Das ist glaube ich auch der Grund, warum ich bei uns im Garten nicht jeden Löwenzahn direkt rausreiße. :-) Bei meinen Eltern auf dem Grundstück gab es allerdings damals schon eine Trockenmauer, insofern habe ich mich zu so radikalen Umbaumaßnahmen nie hinreißen lassen. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich als Erwachsene einen eigenen Garten haben würde, hätte ich wahrscheinlich eh‘ ganz schön komisch geguckt!

    Mel

    Mel · 30. Mai 2019 um 11:19 am

    Hallo, liebe Franziska,

    ja, Peter Lustig war bei mir wohl schon ziemlich prägend. Dass ich heute selbst begeistert in der Erde wühle, hab ich aber auch lange nicht gedacht. Meine Eltern hatten zwei Gärten und einige Streuobstwiesen – alles ohne irgendwelche Mauern. Aber mit jeder Menge Arbeit. Rückblickend habe ich einen Heidenrespekt, wie sie das alles gewuppt haben.
    Den Löwenzahn lasse ich auch stehen, einige Blätter verfüttere ich aber an die Meerschweinchen ;-)

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Jörg · 30. Mai 2019 um 11:22 am

Hi Mel,

sehr schöne Story, toll erzählt!
Warum Story und nicht Geschichte?
Weil ich diesen Beitrag in England lese. Und hier kommt mir alles viel grüner vor als in Germany. Oder anders grün, ursprünglicher. Mehr Hecken und Mauern jedenfalls.
Einreißen werde ich hier sicherlich nichts, leider auch nicht die Anti-EU-Haltung in den Köpfen vieler Engländer. Hier würde ich gerne den ein oder anderen rollen sehen…..

Cheers
Jörg

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:44 am

    Hi Jörg,

    freut mich, dass dir die Story gefallen hat. :-)
    In Großbritannien gibt es in der Tat noch einige Trockenmauern, aber auch das nimmt wohl immer mehr ab. Leider. Dabei ist es eigentlich eine schöne Tradition – es gibt sogar doppelte, die ganz speziell gebaut werden.
    Aber das ist auch eine andere Geschichte… ;-)

    Kistengrün Grüße auf die Insel
    Mel

      Avatar

      Jörg · 7. Juni 2019 um 10:52 am

      Auf diese andere Geschichte freue ich mich jetzt schon… :-)

      Liebe Grüße
      Jörg

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Claudia · 30. Mai 2019 um 2:33 pm

Das ist ja eine großartige Geschichte! Und so sympathisch. Leider auch ziemlich typisch – die Reaktion der Erwachsenen…
Peter Lustig habe ich auch geliebt! Und ich träume immer noch von einem Bauwagen im Garten als Rückzugsort!😊

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:46 am

    Ja, liebe Claudia, Peter Lustig ist großartig! Ich hab den Tag noch viel mit alten Folgen verbracht. So langsam dämmert mir, woher ich so manche Ideen her habe…und von einem Bauwagen träume ich auch noch… ;-)
    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Björn · 30. Mai 2019 um 2:56 pm

Cool das wir beide bei dem Lied an Trockenmauer denken mussten :-) … und … ich hab jetzt tierisch Bock Löwenzahl zu gucken. Und genau das mach ich jetzt auch !
Liebe Grüße
Björn

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:48 am

    Hi Björn,

    ja, das fand ich auch sehr witzig, dass wir beide dieselbe Idee hatten! :-) Ich hab den Tag über noch einige alte Löwenzahn-Videos geguckt und mich sehr gewundert, dass viele Ideen schon so fast 30 Jahre als sind – und immer noch nicht umgesetzt wurden… Irgendwie traurig… Vielleicht schaffen wir es ja jetzt!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Jeannette Cwienk · 30. Mai 2019 um 3:01 pm

Ohhh.. ich habe sofort wieder die Melodie von „Löwenzahn“ im Kopf. Ich fands auch brutal toll :-)

Beste Grün-Grüße!
Jeannette alias KrautLiese :-)

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:49 am

    Hallo, liebe Jeannette,

    so ging es mir auch die ganze Zeit! Selbst beim Schreiben des Beitrages, dabei sollte ja eigentlich ein ganz anderer Song im Mittelpunkt stehen ;-)

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Anne Reis · 30. Mai 2019 um 4:42 pm

Liebe Mel,
wie lustig, Dir ging es wie mir: Mit dem Song hatte ich mich bislang auch noch nicht wirklich auseinandergesetzt und trotzdem freue ich mich so sehr, dass die Wahl darauf fiel. Ich glaube, am wenigsten man sich bisher damit befasst hat, desto mehr Spaß macht das Schreiben dazu. Bei Deinem wunderbaren Artikel sieht man das sehr schön! Ich freue mich schon auf das nächste Blogger Blind Date und bin gespannt, was wir wohl dann auswählen…
LG aus Altona

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:52 am

    Hallo, liebe Anne,

    ich hatte ja ein bisschen Schiss, dass ich das Thema total verfehle oder was völlig Abwegiges mache – war ja mein erste Blind Date. Aber ich freue mich, dass der Beitrag dann doch so viel Anklang findet. Die Aktion ist wirklich super und ich freue mich schon sehr auf die nächste Runde :-)

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Kathleen · 31. Mai 2019 um 12:06 pm

Oje, das hätte auch ich gewesen sein können! Auf solche Ideen kommen nur Kinder, nicht zu fragen sowieso. Schade, dass die Steine dann festbetoniert worden sind. Man hätte ja nochmal drüber reden können 😉
Liebe Grüße
Kathleen

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:55 am

    Hallo, liebe Kathleen,

    Kinder sind da sicherlich sehr viel spontaner und machen sich weniger Gedanken: Is ja schließlich ne gute Idee. Da können sich Erwachsene mal ne Scheibe abschneiden. Wobei: Ganz so gedankenvoll agieren sie in vielen Fällen auch nicht, wenn man sich so die Klimaerwärmung ansieht…
    Noch mal reden wäre sicherlich ein guter Ansatz – aber wer nahm / nimmt Kinder schon ernst.. ?!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Debo · 4. Juni 2019 um 2:40 pm

Hej Mel,

sehr schön geschrieben! Ich durfte früher kaum fernsehen, deshalb habe ich Peter Lustig erst als Erwachsene entdeckt. Alter hin oder her, ich schaue mir die Clips sehr gern an, denn da steckt ja Einiges drin…! :)
Sonnige Grüße
Debo

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 7:59 am

    Hi Debo,

    ich finde auch, dass man Löwenzahn in jedem Alter gucken kann, da kann man sich noch so einiges abschauen! Jedenfalls werde ich mir wieder ab und zu eine Folge gönnen – und das nicht nur aus Nostalgiegründen!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Basti · 5. Juni 2019 um 10:42 am

Hallo Mel,
schönes Plädoyer für die Trockenmauer. Ich habe früher auch gerne Löwenzahn geschaut. Und danach natürlich abschalten :) Wir haben im letzten Jahr einige Totholzecken (als Zaun) mit Thujastämmen angelegt. Diese Bäume standen schon als Begrenzung da, als wir den Garten übernommen haben. Wir werden sie nach und nach wieder runterschneiden und nutzen das Holz als Zaun mit vielen kleinen Lebnräumen. Und es scheint zu klappen. Dieses Jahr habe ich schon so viele Eidechsen in unserem Garten gesehen. Das ist einfach toll :) Ich kann dir also nur zustimmen und versuche bis heute auch noch immer meine Eltern von dem Naturgarten-Konzept zu überzeugen. Und manchmal habe ich den Eindruck, es wirkt hier und da :)

Liebe Grüße
Basti

    Mel

    Mel · 7. Juni 2019 um 8:04 am

    Hallo Basti,

    genau: abschalten! :-) Ich frage mich heute, wie das gemeint war. War das eine Anspielung auf die Atomkraftwerke? Oder sollten wir wirklich einfach nur mehr vor die Tür…?
    Cool, du hast eine Benjeshecke! Das ist auch ein sehr spannender Lebensraum. Beim Waller Umweltpädagogik Projekt haben wir auch einen Teil des Geländes so umzäunt. Das ist wirklich großartig. Aber für den Balkon ist das eher nichts ;-)
    Schön, dass du bei deinen Eltern kleine Erfolge erzielen kannst. Meist klappt es ja ganz schnell, wenn die Erträge größer sind oder besser schmecken… ;-)
    Viel Erfolg weiterhin!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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