Winter sind schneeweiß und klirre-kalt. Es sei denn, man wohnt im Norden der Republik, so wie ich. Aber selbst dort ist diesmal der Winter irgendwie anders. Fast schon frühlingshaft.

Mal wieder Regen…

Grauer Himmel. Regen: mal fein, mal platternd und nicht immer nur von oben, sondern auch gern mal von vorne oder von der Seite. Und trüüüüb: An manchen Tagen weiß man gar nicht, ob es schon wieder dunkel wird oder ob es noch gar nicht richtig hell geworden ist.

Das sind die Elemente, aus denen norddeutsche Winter gemacht sind. Zumindest in der Stadt, in der ich seit einigen Jahren wohne.

Ja, es gibt ab und zu auch mal Schnee. Aber eher selten und dann auch meist gleich in Formen, die ich dann doch nicht so ansprechend finde: Eis oder Matsch – oftmals ohne romantisch-weiße Anfänge. Leider.

Frühlingsgefühle – weit weg

Wenn ich an Winter denke, habe ich nämlich meist andere Bilder im Kopf. Schnee, wohin das Auge reicht. Endlose Nachmittage auf dem Rodelberg.

Mit Skianzügen, klatschnassen Handschuhen und warm gefütterten Boots.

Mit Schneemann-Bauen und Schneeballschlachten (toll!) und fiesem Eingeseift-werden (nicht so toll).

Mit Spaziergängen durch eine Puderzuckerlandschaft bei strahlend blauem Himmel, hellgrellem Sonnenschein und klirrender Kälte, die Nase und Ohren rot frieren lässt.

Auf Feldwegen, auf denen es bei jedem Schritt knirscht und knackt, und schnell unter den riesigen Eiszapfen durchgeschlüpft, die am Waldrand von den kahlen Ästen hängen und in der Sonne glitzern.

Lachendes Gesicht im Schnee
Schnee gab es auch schon mal im Balkon-Garten…

Zugegeben: Diese Erinnerungen sind nicht gerade frisch und auch ein paar Hundert Kilometer von meinem jetzigen Wohnort entfernt entstanden. Aber gerade mit Blick auf die norddeutsche Lage in diesem Jahr habe ich solche Wintertage ganz besonders vermisst.

Frühlingsgefühle – unverhofft

Bis zum Anfang der Woche. Da konnte ich kaum glauben, was ich da von meinem Arbeitszimmer aus sah: Die dicke, konturlos-graue Wolkendecke aufgerissen, der Himmel babyblau mit kleinen weißen Schäfchenwolken ward es Licht.

Und wie!

Blauer Winter Himmel im Januar
Winterhimmel im Januar.

Erst da wurde mir bewusst, wie sehr ich die Sonne vermisst hatte. Meine nicht gerade berauschende Montagmorgen-Stimmung ertrank chancenlos in einem Strom an Glücksgefühlen.

Ich drehte die Musik bei der Arbeit lauter.

Und sang sogar mit.

Gegen Mittag radelte ich freudestrahlend zu einem Termin, den perfekten Frühlingssoundtrack im Ohr: Witt-witt, Wu-Huuu! zwitscherte es von den Bäumen und aus dem Gebüsch.

Ich war wie berauscht – von Licht und Luft und guter Laune.

Frühlingsgefühle – unverblüht

Dieses Hochgefühl begleitete mich durch den Rest des Tages. Nachmittags wagte ich seit Langem mal wieder einen längeren Gang durch den Balkon-Garten.

Um den hatte ich mich in den vergangenen Wochen kaum gekümmert – das war auch nicht wirklich nötig gewesen bei den Temperaturen. Selbst die frostempfindlichen Duftgeranien hatte ich bis auf wenige Nächte draußen stehen lassen können.

Wintersonne Januar hinter Bäumen
Wintersonne, vom Balkon-Garten aus gesehen.

Und auch die übrigen Pflanzen hatten die dunkle Zeit bislang erstaunlich gut gemeistert. Sicherlich: Es ist kein Vergleich zum Sommer, aber in manchen Wintern sah es auch schon viel trauriger aus.

Schließlich stelle ich das Gießen in dieser Zeit nahezu ein – mit Ausnahme für die Pflanzen, die direkt an der Balkontür stehen. Sie bleiben dadurch nämlich unmittelbar in Reichweite, wenn man in Puschen vom Wohnzimmer aus kurz nach draußen schaut um die Wetterlage zu checken. Dann gibt es auch mal ab und zu einen Schwapp Wasser durch die halbgeöffnete Tür – das muss genügen.

Und das hat es auch.

Frühlingsgefühle – unkaputtbar

Und die Physalis trägt doch tatsächlich Früchte.

Im norddeutschen Januar!

Physalis Früchte im Januar

Den ganzen Winter hatte ich beobachtet, wie sie blühte und dann nach und nach diese hübschen grünen Lampions aufpustete. Verrückt!

Völlig verblüfft haben mich auch ein Blattsalat im Balkonkasten und der Kohlrabi. Den einen kann ich wohl bald ernten, der andere geht in eine unglaubliche dritte Saison.

Jawohl.

Ich werde ihn künftig nur noch mit Methusalem ansprechen – nach der biblischen Figur, die angeblich steinalt war – und dann beim späten Frühjahrsputz im echten Frühling in der Biotonne entsorgen, damit ich wieder frisch aussäen kann.

Frühlingsgefühle – nachdenklich

So sehr es mich freut, dass die Sonne zurück ist, so nachdenklich stimmt es mich, dass der Balkon-Garten aufgrund der milden Temperaturen so gar nicht recht in Winterschlaf verfallen musste.

Bleibt das nun so? Kommen Schnee und Frost im April – so wie vor ein paar Jahren? Sollte ich mich freuen und ans Aussäen machen?

Ich bin ja eher skeptisch, was frühe Aussaaten im Balkon-Garten angeht. Schließlich weiß man ja nie.

Aber vielleicht tickt die Natur im neuen Jahrzehnt ja anders und meine schneereichen Winter aus Kindertagen werden dann wohl das werden, was sie sind: Erinnerungen.

Und jetzt du!

Wie sieht es gerade in deinem Balkon-Garten aus? Ist noch Winterschlaf oder bereits Frühling angesagt?

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Mel

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

5 Kommentare

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Aline · 23. Januar 2020 um 3:54 pm

Hehe, auch hier habe ich in südlicheren Breiten in einem kleinen Garten vergangene Woche im Spätherbst vergessene Möhren und Kohlrabi geerntet. Allerdings war der Winter bisher sehr mild in Rheinhessen – inklusive heute gab es nur drei, vier Mal oberflächlichen Frost. Da würde ich mir als Herbstgemüse auch nix draus machen :)
Aber deine Physalis sind schon ein Knaller – da kann ich nicht mithalten :)

    Mel

    Mel · 27. Januar 2020 um 9:03 am

    Dankeschön, liebe Aline,
    ich bin auch ganz erstaunt, was die Physalis so alles aushält. Aber du hast recht: Bislang war der Winter so mild, dass er den Namen kaum verdient hat. Das hat natürlich Vorteile wie Möhren und Kohlrabi in deinem Fall. Ich hoffe nur, dass wir von einem späten Kälteschock im April verschont bleiben.

    Auf eine schöne (Balkon)Gartensaison!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Eva · 15. Februar 2020 um 9:57 pm

Irre, hier in München soll es morgen Sonntag 15 Grad geben. Bei mir wird morgen klar Schiff gemacht auf dem Balkon und die ersten Draußen-Aussaaten eingebuddelt. Wünsche allen Balkon-Gartlern einen entspannten sonnigen Sonntag

    Mel

    Mel · 19. Februar 2020 um 10:38 am

    Hallo, liebe Eva,

    ui, da bist du aber schon früh dran in diesem Jahr! Ich warte lieber noch die Stürme ab, bevor ich mich um den Balkon-Garten kümmere.
    Aber ich kann deine Vorfreude gut nachvollziehen! Hier warten auch schon viele neue Samen darauf, endlich in die Erde zu kommen!
    Ich wünsche dir einen schönen, erfolgreichen Start in die Balkon-Saison!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

Buchpremiere: Mein Stadtbalkon ⋆ Kistengrün · 31. Januar 2020 um 1:54 pm

[…] Zwischendurch lese ich Passagen aus „Mein Stadtbalkon“ vor – von leckeren Tomaten, herrlicher Roter Bete und der tollen Physalis, die bislang sogar den Winter überlebt hat. […]

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