Kistengrün

Wie die Monstranzbohne zu ihrem Namen kam

Meine Kollegin Doro hat mir eine kleine weiße Bohne mit einer auffälligen Zeichnung geschenkt: eine Monstranzbohne. Ihren Namen verdankt die Stangenbohne offensichtlich einer wundersamen Rettungsaktion.

Monstranzbohne auf einem Tisch

Die Monstranzbohne hat eine auffällige Zeichnung…

Es muss ein Akt der Verzweiflung gewesen sein.

Um eine Monstranz im Dreißigjährigen Krieg vor Plünderern zu retten, vergrub ein Pfarrer aus Unterfranken das kostbare Gefäß auf einem abgelegenen Hof. Und damit er sich die Stelle merken konnte, gab er ein paar Bohnen mit ins Grabloch.

Der Pfarrer hat die Stelle nie wieder aufgesucht. Er starb bei jenem Angriff – und mit ihm jeder, der etwas von der Monstranz und ihrem geheimen Versteck wusste.

Die Bohnen jedoch wuchsen heran, trugen Früchte.

Seltsame Früchte: Um den Nabel der weißen Bohne rankten sich dunkelrote Flecken, die bei genauerer Betrachtung das Bild einer Monstranz ergaben.

Aus Neugierde begannen die Überlebenden zu graben – und fanden schließlich das goldene Gerät wieder, in dem an Fronleichnam die Hostien für alle gut sichtbar durch die Straßen getragen wird.

Die Bohne aber hat bis heute ihr Mal behalten.

Und damit auch ihren Namen: Monstranzbohne.

 

Eine Bohne mit vielen Namen: Monstranz, Engel und Himmel sei Dank

Abgesehen davon, dass ich die gerademal Fingernagel große Bohne wunderschön finde, hat mich die Geschichte sofort fasziniert. Schließlich habe ich mal Religionswissenschaft studiert und meine Neugier ist auch in dieser Hinsicht nie erloschen.

Also habe ich ein bisschen recherchiert. Und siehe da: Die Legende, die mir Doro erzählt hatte, ist nicht die einzige, die sich um diese Hülsenfrucht rankt. In einer anderen Geschichte soll sie geholfen haben, gestohlenes Diebesgut wiederzufinden. Eben weil sie plötzlich an jener Stelle wuchs, an der ein Dieb eine Monstranz vergraben hatte.

Engelsbohne auf einem Tisch

…die man auch für einen Engel halten könnte!

Doch nicht jeden erinnert die Zeichnung offensichtlich an eine Monstranz. Mancherorts wird sie auch Engelsbohne oder Himmelsbohne genannt. Auch hier geht der Name auf die Zeichnung zurück: Stellt man die Monstranz auf den Kopf, werden aus den aufstrebenden Verzierungen Engelsflügel.

Alles eine Frage der Perspektive. 😉

Wegen dieser wundersamen Male soll die Monstranzbohne in Klostergärten angebaut worden sein. Die Nonnen und Mönche kochten aus den trockenen Früchte Suppen und Eintöpfe und fertigten daraus Rosenkränze.

 

Monstranzbohne als schattenspendende Pflanze?

Einen Rosenkranz oder Anhänger werde ich aus der Bohne sicherlich nicht machen. Auch für eine Suppe wird es nicht reichen – es sei denn, es kommt zu einer wundersamen Bohnenvermehrung. 😉

Auf dem Schreibtisch wird sie dennoch nicht liegen bleiben. Natürlich werde ich sie im kommenden Jahr auf dem Balkongarten aussäen! 🙂

Die Stangenbohne kann nämlich bis zu drei Metern hoch werden – und könnte damit eine interessante Alternative zum Hopfen als schattenspendende Pflanze sein. Vor allem weil sie als genügsam gilt.

Stangebohne, Sorte Blauhilde

Jetzt gibt’s Bohnen! 🙂

Und auch sonst scheinen sich Bohnen auf dem Balkon recht wohl zu fühlen. Die ersten Hülsen der Sorte Blauhilde kann ich schon ernten. 🙂

 

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