Ostern steht vor der Tür! Wer keine Lust hat, die Eier mit künstlichen Farben zu färben, kann aus Zwiebeln, Blüten und Rotkohl selbst natürliche Pflanzenfarben herstellen. Aber Achtung: Die färben ganz schön! ;-)

Blautürkisfarbenes Ei

Hättet ihr’s gewusst? Dieses Ei wurde mit Rotkohl gefärbt!

Ich bin keine große Freundin von Chemie. Schon gar nicht im Essen.

Bei den vielen extrem bunten Ostereiern, die mich derzeit vielerorts anleuchten, bin ich immer besonders skeptisch. Mit was die wohl gefärbt sind? Und: Ist das noch gesund?

Mit selbstgemachten Pflanzenfarben fühle ich mich auf der sicheren Seite: Ich weiß einfach, was drin ist. Daher musste ich nicht zwei Mal überlegen, als ich die Ankündigung für die Farbwerkstatt mit Bettina Burfeind in der Bremer Botanika gelesen habe. Da musste ich einfach hin! :-)

 

Von pflanzlicher und anderer Färberei

Jahrtausende lang haben wir unsere Farben auf natürliche Weise gewonnen. Erst aus Tonerden, später aus Tieren wie der Purpurschnecke und Pflanzen wie Färberwaid, Färberwau, Alkanna und Indigo. Die Herstellung war oft aufwändig – und teuer.

Bis die synthetischen Farben weitgehend das (Farb-)Feld übernahmen, weil sie massenhaft und industriell hergestellt werden können.

Zerstoßener Spinat färbt ein Tuch grün ein

Frisches Farbengrün: Spinat.

Ausnahmen gibt es aber auch heute noch. So ist Gallapfel Bestandteil der licht- und farbechten Kanzlei-Tinte, mit der wichtige Urkunden und Staatsverträge unterzeichnet werden.

Die Scharlach-Schildlaus liefert den Farbstoff E120 für die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie: Lippenstifte, Süßigkeiten und alkoholische Getränke werden damit gefärbt. Brrrr! :-(

Aber keine Sorge: Die Zutaten für Pflanzenfarben sind aber nicht immer so exotisch. ;-)

 

Diese Pflanzen eignen sich für Pflanzenfarben

Rot

Rote Beete, Rotkohl (mit Essig), getrocknete Hibiskusblüten

Gelb / Orange / Braun

Curry, Kurkuma (Gelbwurz), gekochte Zwiebelschalen, Möhre, schwarzer Tee

Blau / Türkis

Rotkohl (mit Natron), Malvenblüten

Pflanzenfarben herstellen: Malve- und Hibiskusblüten werden in Schalen mit Wasser eingelegt.Grün

Spinat, Petersilie, Brennnessel

Violett

Rotkohl, Holunderbeeren, Blaubeeren

 

Pfanzenfarben herstellen – so geht’s

Je nachdem für welche Pflanze du dich entscheidest, musste du bei der Herstellung anders vorgehen:

  • Rote Beete und Karotten fein raspeln und in einer Stoffwindel auspressen.
  • Curry oder Kurkuma mit etwas kaltem Wasser auflösen.
  • Malve– und Hibiskusblüten in kaltem Wasser einlegen.
  • Zwiebelschalen und Brennnesseln klein schneiden, eine halbe Stunde bei kleiner Flamme mit etwas Wasser köcheln und kalt abfiltern.
  • Holunder– und Blaubeeren zerstampfen und den Saft abseiern.
  • Spinat und Rotkohl mit etwas Wasser pürieren und in einer Stoffwindel auspressen. Zur Flüssigkeit je nach Farbwunsch Essig oder Natron hinzugeben.
Drei Marmeladengläser mit violetter, blauer und roter Pflanzenfarbe

Je nach Zugabe von Essig und Natron verändert sich die Farbe der Rotkohl-Brühe.

Mit den Pflanzenfarben könnt ihr aber nicht nur Ostereier färben, sondern natürlich auch Malen, Schminke herstellen und und und!

Viel Spaß beim Experimentieren – und frohe Ostern! :-)

 

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Mel

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

13 Kommentare

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Wilder Wegesrand · 24. März 2016 um 6:28 am

Super Sache – die sehen wirklich total hübsch aus! Danke für die Tipps! Und hier noch einer: Kurkuma färbt ein schönes, warmes Gelb :-)

    Mel

    Mel · 24. März 2016 um 6:55 pm

    Stimmt! Und das nicht nur bei Ostereiern, sondern auch bei Reis, Nudeln und Kartoffeln. :-)
    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Sigrun · 4. April 2016 um 8:22 am

Da ich im März auf einem Pflanzenfärbekurs mit Naturfarben war, musste ich Ostern auch unbedingt die Eierfärberei ausprobieren. Das Gelb mit Kurkuma war natürlich nicht so besonders stark auf dem Ei zu sehen…dafür hielt die Farbe um so besser auf meiner iPhone-Hülle, die nun etwas Gelb-gescheckt aussieht….:-))
Dein blaues Ei finde ich sehr gelungen….Natron ist auch der Grund, warum die Bayern Blaukraut essen…die kennen kein Rotkraut…:-)
LG Sigrun

    Mel

    Mel · 4. April 2016 um 1:36 pm

    Hallo Sigrun,
    das Kompliment muss ich weitergeben: Das Ei habe leider nicht ich gefärbt, sondern eine Teilnehmerin eines Workshops, über den ich berichtet habe.
    Die gelbe iPhone-Hülle sieht bestimmt schick aus – und ist auf jeden Fall einzigartig! :-) Die Farbe soll sich übrigens besser auf Eierschalen halten, wenn diese mit Essig vorbehandelt wird. Werd ich mal ausprobieren. Aber erst nächstes Jahr. ;-)

    Kistengrüne Grüße
    Mel

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X. Lohse · 2. Mai 2018 um 10:55 am

Hallo, ich habe vor meine Wandfarbe selber einzufärben. Nun meine Frage, geht das mit Rotkohl, zum Beispiel, auch, oder verändert sich die Farbe mit der Zeit? Ich finde die Farben wunderschön und würde sie gerne so anwenden.

    Mel

    Mel · 4. Mai 2018 um 11:03 am

    Das ist eine sehr interessante Frage… Ich werde mch mal schlau machen und hoffe, dass ich was rausfinden kann.
    Ich melde mich!
    Kistengrüne Grüße
    Mel

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Marlene Vahl · 4. Oktober 2018 um 11:15 am

Guten Morgen
Möchte gern Käseleinen als Himmel über eine Babywiege in rot färben.
Wie mache ich das??
Danke und herzlichen grüß
Masepeet

    Mel

    Mel · 8. Oktober 2018 um 11:02 am

    Hallo Masepeet,

    zum Rotfärben von Stoffe bieten sich mehrere Pflanzen sowie die Schildlaus an. Je nach Material, Stoff, Menge und Färbedauer kommen dabei unterschiedliche Farbtöne heraus.

    Zunächst einmal ist es aber ratsam, den Stoff zu beizen: Das soll die Struktur der Fasern aufbrechen, damit die Farben anschließend besser haften bleiben. Ich hab ein bisschen recherchiert, unter anderem eignen sich Pottasche, aber auch Sojamilch. Anschließend wird dann über mehrere Stunden gefärbt.

    Anbei noch zwei interessante Links zum Thema:
    https://www.hauptstadtgarten.de/stoffe-faerben-mit-pflanzenfarbe/
    http://www.hinterwäldler.info/gastbeitrag-von-kathrin-faerben-mit-naturfarben/

    Leider habe ich selbst noch keine Stoffe gefärbt, daher kann ich dir keine Tipps geben. Aber vielleicht gibt es ja ein paar Färber*innen in der Runde…?

    Ich hoffe, dir trotzdem ein wenig weitergeholfen zu haben.

    Kistengrüne Grüße
    Mel

    Avatar

    Franziska Ebner · 8. Oktober 2018 um 10:22 pm

    Liebe Masepeet,
    es gibt 2 Möglichkeiten rot zu färben, entweder mit Cochenille ( ergibt ein kühles rosa ) oder mit Krappwurzel ( ein warmes lachsfarbenes rosa ). Du solltest den Stoff allerdings vorher gut waschen und vor dem Färben unbedingt beizen, damit die Farbe haltbar auf den Stoff aufzieht.
    Viel Spaß beim Färben
    lg Franziska

      Mel

      Mel · 9. Oktober 2018 um 7:58 am

      Vielen Dank für deinen Beitrag, liebe Franziska!
      Du bist ja eine Fachfrau in Sachen Färben – dein Buch zum Thema ist wirklich zu empfehlen!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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Christel Leder-Barzynski · 24. November 2018 um 10:50 am

Habe vor etwa 3 Wochen die Wurzeln der Chinesischen Bleiwurz ausgegraben. Meine Finger sind seitdem blauschwarz gefärbt. Gibt es da überlieferte Färbeerfahrungen?

Neugierige Grüße

Christel

    Mel

    Mel · 1. Dezember 2018 um 10:57 am

    Liebe Christel,

    gute Frage – ich kann dir da leider nicht weiterhelfen, tut mir leid. Aber vielleicht weiß Franziska Ebner Rat? Sie färbt mit Pflanzen, hat weiter oben kommentiert und dort auch ihre Webadresse hinterlegt.

    Viel Erfolg!
    Kistengrüne Grüße
    Mel

Kartoffel des Jahres 2018: Red Emmalie / Rote Emmalie · 16. Februar 2018 um 9:33 am

[…] bis vor wenigen Jahre noch ebenso selbstverständlich: blassgelb natürlich! Es sei denn, man gibt Kurkuma ins Kochwasser. Oder funktioniert sie zu Stempeln […]

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