Kistengrün

Warum die Red Emmalie die Kartoffel des Jahres 2018 ist

Wer hat eigentlich gesagt, dass Kartoffeln immer blassgelb sein müssen? Die Red Emmalie zum Beispiel ist herrlich knallepinkrot. Die Auszeichnung „Kartoffel des Jahres 2018“ hat sie aber auch noch aus einem anderen Grund erhalten.

Pinke und violette Kartoffeln

Kartoffeln müssen nicht immer gelb sein!

Ich gebe zu: Ich bin nicht unbedingt entscheidungsfreudig.

Habe ich zu viel Auswahl, komme ich schnell mal gedanklich ins Schleudern – vor allem wenn ich nicht alles haben kann. Da bin ich manchmal echt dankbar, wenn jemand eine Vorauswahl für mich trifft. So muss ich nicht mehr aus allem, sondern nur noch aus einigem meinen Favoriten aussuchen.

Aber manchmal habe ich echt das Gefühl, etwas zu verpassen. Vor allem wenn sich herausstellt, dass die Vorauswahl echt winzig ist – und ziemlich unspektakulär.

Dieses Gefühl hatte ich ja schon bei Tomaten. Ein weiteres, aktuelles Beispiel: Kartoffeln.

 

Warum Kartoffel nicht gleich Kartoffel ist

Viele Jahre lang dachte ich, dass es gerade eine oder zwei Hände voll Kartoffelsorten gibt. Festkochend, mehlig, vorwiegende festkochend – das war für mich das entscheidende Kriterium beim Kauf: Schließlich wollte ich die richtigen Kartoffel zu Brei machen.

Kartoffeln

Kartoffeln… frisch geerntet!

Dass Kartoffeln unterschiedlich schmecken, habe ich – ehrlich gesagt – gar nicht so bemerkt. In meiner Kindheit waren Kartoffeln vor allem Sättigungsbeilage. Und Träger für knallroten Tomatenketchup oder süßes Apfelmus.

Welche Farbe Kartoffeln haben, war für mich bis vor wenigen Jahre noch ebenso selbstverständlich: blassgelb natürlich! Es sei denn, man gibt Kurkuma ins Kochwasser. Oder funktioniert sie zu Stempeln um.

Hätte mir damals jemand gesagt, dass Kartoffeln von Natur aus unterschiedlich schmecken und gelb, pink oder sogar blauviolett sein können – ich hätte ihr oder ihm glatt den Vogel gezeigt.

Bunte Kartoffeln?! Du bist ja verrückt!

 

Rot und gesund: Red Emmalie

Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe an Kartoffeln, die alles andere als blass und geschmacklos daherkommen. Eine von ihnen ist die Red Emmalie oder Rote Emmalie.

Rote Emmalie Kartoffel des Jahres 2018

Die Rote Emmalie ist alles andere als blass…
Foto: Ellenberg’s Kartoffelvielfalt

Blüte Red Emmalie

…und blüht auch leicht rosa!
Foto: Ellenberg’s Kartoffelvielfalt

Die Rote Emmalie trägt ihren Namen nicht ohne Grund. Die längliche Knolle und das Fruchtfleisch sind rötlich-pink. Verantwortlich dafür ist der Pflanzenfarbstoff Anthocyan. Er kommt in ähnlicher Form auch in Erdbeeren und Himbeeren vor, gilt sogar als gesundheitsfördernd.

Die Rote Emmalie gehört zu den mittelfrühen Kartoffeln. Sie ist überwiegend festkochend. Du kannst sie als Salz-, Pell- und Bratkartoffel zubereiten oder sie zu Püree und Salat verarbeiten.

 

Warum die Rote Emmalie etwas Besonderes ist

Eine alte Sorte ist die Red Emmalie aber nicht. Sie ist eine Kreuzung der Sorten La Ratte, Baltica, Highland Burgundy Red und der alten peruanischen Landsorte Huamantango.

Karsten Ellenberg hat die Rote Emmalie gezüchtet. Acht Jahre lang hat er dafür gebraucht, erzählte er mir bei meinem Besuch auf seinem Hof. Im Jahr 2012 wurde die Kartoffel schließlich in die Bundessortenliste aufgenommen.

„Ursprünglich hatten wir die Kartoffel Rote Emma genannt. Allerdings gab es schon eine gelbe Sorte aus Irland mit diesem Namen – und laut Bundessortenamt darf kein Name doppelt vorkommen. Also haben wir ihr den Namen meiner Oma gegeben: Emmalie.“
Kartoffelzüchter Karsten Ellenberg

Karsten Ellenberg (rechts) hat die Red Emmalie gezüchtet. Sein Sohn Julius (links) und dessen Bruder Hannes arbeiten mit im Familienbetrieb.

Dass die Knolle nun von der gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft zur Kartoffel des Jahres 2018 ernannt wurde, liegt nicht nur an ihrer auffälligen Farbe: Sie ist eine der wenigen Sorten aus ökologischer Züchtung. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Kartoffel des Jahres wurden in Deutschland bisher nur fünf (!) Öko-Kartoffelsorten gezüchtet. Drei von ihnen wurden bereits zugelassen, die anderen beiden Sorten werden noch geprüft.

Eine weitere Besonderheit: Die Red Emmalie kann ohne Gebühr nachgebaut werden. Du kannst also die Knollen selbst vermehren und musst nicht jedes Jahr neue Saatkartoffeln kaufen. Das ist bei Neuzüchtungen nicht selbstverständlich: Bis zu 30 Jahre lang kann der Züchter nämlich eine solche Gebühr verlangen!

 

Das Kartoffel-Comeback des Jahres

Eigentlich wollte ich ja keine Kartoffeln mehr anbauen. Nicht dass ich keine Kartoffeln mag – im Gegenteil: Ich liebe Kartoffeln! Nur leider war der Ertrag bei meinem ersten Anbau-Versuch vor ein paar Jahren doch eher enttäuschend.

Kartoffeln in einem Reissack angebaut

Im Jahr 2014 habe ich schon mal Kartoffeln angebaut.

Als mir die Ellenbergs jedoch versicherten, dass man die Rote Emmalie auch auf dem Balkon anbauen könnte, wurde ich dann doch schwach. So ein paar rote Knollen auf dem Teller sind schon was Feines…

Diese Vielfalt lasse ich mir nicht noch mal entgehen!!!

 

Hast du schon mal bunte Kartoffeln probiert? Oder ist dir die Farbe der Knolle egal?

9 Kommentare zu “Warum die Red Emmalie die Kartoffel des Jahres 2018 ist

  1. sas

    Hey Mel, ich seh immer deine Besuche bei mir und wollte dir mal einen Gruß da lassen.
    Über die Sorte habe ich mal eine Doku gesehen, noch gar nicht so lange her. es ging um Kartoffelzucht und Sortenauswahl und so. Ich denke noch daran, wie sie so eine Verkostungsszene gezeigt haben, wie alle Gäste und Freunde an dem großen Tisch in diesem schönen großen Bauernhaus saßen und ihr Urteil fällten. Hast du die auch gesehen?
    Kennst du den tollen Beitrag zum Äugeln von Kartoffel von „Neues vom Landei“?
    https://www.youtube.com/watch?v=4CZxpBjFpQM

    Den fand ich ganz spannend und das Landei ist ganz besessen von Kartoffelanbau, da kannst vielleicht noch ein paar Tipps einsammeln.

    lg reh-garten, die eingeforderte Mail-Adresse ist meine Spamadresse, wenn du da was hinschickst, kann es lange dauern bis ich antworte.

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hey, vielen Dank für den Tipp, Reh-Garten. :-)

      Ich hab mir das Video gleich mal angesehen – Neues vom Landei ist wirklich mit viel Begeisterung dabei! :-) So viel Platz werde ich auf dem Balkon nicht haben. Aber ich bin gespannt, wie sich die Rote Emmalie so macht im Kübel. :-)

      Die Doku habe ich leider nicht gesehen. Aber ich guck mal, ob ich sie noch in einer Mediathek finde.

      Vielen Dank für den Tipp!
      Kistengrüne Grüße
      Mel

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Kathreen,

      schön, dass dir der Beitrag gefällt.
      Tröste dich: Ich kannte die Kartoffel und auch die Auszeichnung auch bis vor Kurzem noch nicht… ;-)
      Man lernt halt nie aus. :-)

      Kistengrüne Grüße
      Mel

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo, liebe Dani,

      gern geschehen! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt! :-)
      Ich kann gut mitfühlen mit dem Zeit und Platz-Problem – und hoffe, dass ich mein Vorhaben auch umsetzen kann dieses Jahr…
      So oder so werde ich mich mal auf die Suche nach bunten Kartoffeln auf dem Markt machen. So schwer können die doch nicht zu finden sein… oder?!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  2. Kathleen

    Hallo Mel,

    wie schon bei Instagram geschrieben, ist die Rote Emmalie eine meiner Lieblingskartoffeln! Sie hat das Regenwetter des letzten Jahres sehr gut mitgemacht und einen tollen Ertrag geliefert, während andere Kartoffelsorten in der gleichen Erde daneben wegen der Nässe verfault sind… Dazu kommt, dass sie ganz toll schmeckt! Ich drücke dir also ganz, ganz fest die Daumen, dass der Anbau auf deinem Balkon klappt! Wir hatten auch schon einmal Kartoffeln auf dem Balkon – im Blumenkasten. Und das hatte damals auch gut funktioniert ;)
    Falls du übrigens auf den Geschmack kommst, kann ich dir auch die Bamberger Hörnchen (nussiger Geschmack) und King Edward (zarte, blassgelbe Knolle mit feinem Geschmack) empfehlen ;) Dei bekommt man auch in Bio-Qualität beim Hof Jeebel. D akaufen wir immer unsere Saatkartoffeln, falls wir mal wieder neue Sorten ausprobieren wollen :)
    Vielen Dank übrigens auch für die Infos über die Rote Emmalie! Dass der Züchter 30 Jahre lang Gebühren verlangen kann, wusste ich gar nicht!

    Liebe Grüße & viel Erfolg!
    Kathleen

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Kathleen,

      da bin ich mal gespannt, wie sich die Rote Emmalie auf dem Balkon macht. Mit dem Dach herrschen ja eher Gewächshausbedigungen. Aber wenn sie einen feuchten Sommer überlebt haben, kriegen sie das bestimmt auch hin. :-)
      Bamberger Hörchen sind wirklich lecker, die hatte ich schon mal – allerdings gekauft… Manchmal findet man ja doch noch was auf dem Markt. :-)

      Nachbaugebühren sind wirklich ein spannendes – und vor allem heißes – Thema in der Landwirtschaft. Bekannter ist es meist bei Getreide und da gerade mit Blick auf Landwirte in afrikanischen und asiatischen Ländern, die das – meist in den USA gekaufte – lizensierte Saatgut nicht selbst vermehren dürfen.
      Grundsätzlich ist diese Gebürhr dazu da, den Züchter für seine Leistung zu „belohnen“ – schließlich stecken sie viel Zeit und damit auch Geld in die Entwicklung. Bei der Roten Emmalie dauerte es beispielsweise acht Jahre, bis sie schließlich als Sorte registriert wurde.

      Wie gesagt: ein sehr spannendes und kontrovers diskutiertes Thema!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  3. Pingback: Diese Kräuter und Gemüse-Sorten wachsen im Balkon-Garten 2018

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