Kistengrün

International Gardening: Warum Studierende in Bremen gemeinsam gärtnern

Spinat, Möhren, Kartoffel und jede Menge Kräuter: Auf dem Grundstück eines Studentenwohnheims in Bremen gärtnern Studierende aus neun Nationen gemeinsam in Hochbeeten. Ich habe mir das International-Gardening-Projekt mal näher angeguckt.

Jitin und Johnna in ihrem Beet im International-Gardening-Projekt in Bremen

Jitin und Johnna in ihrem Beet im International-Gardening-Projekt in Bremen.

Wenn Jitin in seinen Garten geht, ist er gleich gut gelaunt.

Zwar ist sein Garten gerade mal so groß wie eine Palette. Aber was da so alles wächst, überrascht ihn immer wieder: Zwischen Koriander, Minze und anderen Kräutern gedeihen Möhren und rotblättriger Spinat (schon die zweite Aussaat!), am Fuße des Hochbeetes haben er und seine Mitbewohner*innen Kartoffeln eingegraben.

Jitin kommt aus Indien und macht gerade seinen Master in Elektrotechnik in Bremen. Als kleines Kind hat er schon in der Erde gewühlt, Seite an Seite mit seiner Mutter. Dass aus kleinen Samenkörner große Pflanzen werden, die man auch noch essen kann, hat ihn schon damals fasziniert.

Inzwischen schätzt er das Gärtnern auch noch aus einem anderen Grund:

„Das In-der-Erde-Wühlen entspannt und macht den Kopf frei. Vor allem wenn man viele Stunden lang gelernt hat.“

Jitin

International Gardening:

40 Studierende, acht Nationen, ein Paletten-Garten

Insgesamt acht Paletten-Hochbeete stehen seit dem Frühjahr am Studentenwohnheim in der Nähe der Universität Bremen. Betreut werden sie von rund 40 Studierenden aus Deutschland, Ghana, Indien, Italien, Korea, Südafrika, Syrien, Taiwan und der Türkei.

Das Prinzip ist einfach: Jede WG bekommt ein Palettenbeet, das sie selbst bauen konnte und nach eigenen Vorstellungen bepflanzen darf. So soll gewährleistet sein, dass immer jemand da ist, der ein Auge auf die Pflanzen hat, der sie gießt, Unkraut jätet und erntet.

Einzelne Studierende dürfen ebenfalls mitgärtnern. Sie betreuen jedoch kein Hochbeet, sondern die Körbchen-Beete dazwischen.

Jitin und seine Mitbewohnerin Johanna haben den urbanen Garten in ihrem Studentenwohnheim initiiert und betreuen das Projekt „International Gardening“ federführend bei kompass, einem Team im International Office der Universität Bremen.

Doch nicht nur dort war man von der Idee begeistert. Auch das Studentenwerk der Universität, dem das Grundstück gehört, half bei der Umsetzung.

„Der Hausmeister hat mir einen Vormittag lang geholfen, das erste Hochbeet aufzubauen. Der Leiter des Studentenwerks hat uns die ersten Kräuter geschenkt. Aus seinem eigenem Garten!“

Johanna

Fachliche Beratung schließlich steuerte das FlorAtrium, das Beratungszentrum des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen bei. Dort hatte Jitin ursprünglich auch die Idee für das Urban-Gardening-Projekt bekommen, bei einem Tag der offenen Tür.

 

Gemeinsam gärtnern, gemeinsam feiern

Beim International Gardening spielt aber nicht nur der Anbau von Gemüse und Kräutern eine Rolle. Mit dem Palettengarten will kompass auch den Austausch unter den Studierenden fördern und ihnen einen Treffpunkt bieten – und das nicht nur bei gemeinsamen Erntefesten.

Das Konzept geht offensichtlich auf. Immer wieder kommen während meines Besuchs Studierende zu den Beeten, um zu gießen, zu ernten oder einfach nur zu schnacken.

„Ich treffe hier immer jemanden, der gerade gärtnert oder die Pflanzen bewundert. Studierende kommen sogar mit ihren Eltern und zeigen ihnen, wie sie hier Gemüse anbauen.“

Johanna

Mich hat das International-Gardening-Projekt so beeindruckt, dass ich für die hiesige Tageszeitung einen Artikel geschrieben habe. Die Reaktion einer Leserin darauf will ich euch nicht vorenthalten:

„Neugierig geworden auf den Palettengarten am Studentenwohnheim Am Fleet/ Spittaler Straße, fuhren mein Mann und ich am Sonntag dort hin, um uns den Garten anzuschauen. Ich bin Hobbygärtnerin und kann sagen: eine gelungene Sache. Prima, was die Studenten dort anbauen. Ob Salate, Gemüse, Kräuter, Obst – von jeden etwas und mit viel Liebe angebaut. Die Natur schätzen und lieben, das ist doch etwas sehr Wertvolles. Wir wünschen den Studenten weiterhin einen grünen Daumen.“

Dem kann ich mich nur anschließen! 🙂

 

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4 Kommentare zu “International Gardening: Warum Studierende in Bremen gemeinsam gärtnern

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Wolfgang,

      das finde ich auch, daher wollte ich unbedingt drüber schreiben. 🙂
      Ich hoffe, dass es im kommenden Jahr weitergeht – und sich noch weitere Studierende (auch in anderen Städten!) dafür begeistern können!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  1. Sigrun - Bergblumengarten

    Ein toller Bericht….ich glaube, ich teile den mal auf unserer Freiberger Freigärten-FB-Seite, die ich mit betreue. In Freiberg, wo ich bis letztes Jahr gewohnt habe, gibt es auch einen interkulturellen Gemeinschaftsgarten, der seit ca 1 Jahr existiert dank der Initiative vom NABU. Dort wurde ein alter Schrebergarten angemietet und wieder auf Vordermann gebracht.
    Bei mir gibts jetzt auch ein Statement über den Kübel. Die Glasfaserproblematik habe ich allerdings rausgelassen. Du hattest sie ja schon angesprochen.
    LG Sigrun

    1. Mel Autor des Beitrags

      Vielen Dank fürs Teilen, liebe Sigrun!

      Ich finde es toll, wenn verlassene Gärten wiederbelebt oder langweilger Rasen plötzlich zum Urban Garden wird. Gerade mit so kleinen Projekten kann man den Menschen das Gärtnern näher bringen und ihnen auch ein bisschen die Angst nehmen, sich zu überfordern. So ein Garten zu pflegen, ist ja schon einiges an Arbeit!
      Es wäre daher super, wenn es noch mehr Initiativen wie das Uni- und euer NABU-Projekt gibt! 🙂

      Deinen Artikel über den Kübel schau ich mir gleich mal an… 😉

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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