Hirschhornwegerich ist ein fantastisches Wildkraut – nicht nur wegen seiner vielen fantasievollen Namen. Er ist robust und lässt sich nahezu das ganze Jahr hindurch ernten.

Es gibt Gewächse, die einen vom ersten Moment an ansprechen. Manchmal ist es die Farbe. Der Habitus. Der Geschmack. Oder auch schlichtweg nur der Name.

Beim Hirschhornwegerich war es definitiv letzteres für mich. Denn zum ersten Mal entdeckte ich ihn bei meiner Recherche für Wintergemüse in einem Saatgutkatalog. Nur ein bisschen Text, kein Bild.

Und trotzdem blieb er mir irgendwie im Gedächtnis.

Als ich ihn dann tatsächlich zufällig auf dem Wochenmarkt probieren konnte, war es um mich geschehen: Diese Pflanze musste ich auf dem Balkon haben!

Und das habe ich seither auch, jedes Jahr – und nicht nur im Winter.

Eine Pflanze mit vielen Namen

Mit seinen dunkelgrünen, länglichen Blättern erinnert Hirschhornwegerich auf den ersten Blick an Spitzwegerich. Das ist kein Zufall, denn auch er gehört zu den Wegerichgewächsen. Die Blätter sind allerdings fiederteilig, also am Rand eingekerbt.

Diese Form ist es auch, die dem Wildkraut eine Fülle an fantasievollen Namen beschert hat: Krähenfuß-Wegerich, zum Beispiel, Ziegenbart oder auch Kapuzinerbart.

Die Bezeichnung Sternkraut wiederum leitet sich wohl vom italienischen Namen ab: erba stella. Dort gehört es zu den regionalen Spezialitäten und wird auch wild an den Küsten des Mittelmeers gesammelt.

Den Geschmack von Meer bringen die fleischigen Blätter auch in den Garten und auf den Balkon mit. Sie schmecken salzig-bitter – einfach lecker!

Hirschhornwegerich aussäen und pflanzen

Hirschhornwegerich ist zwar sehr robust und anpassungsfähig. Aber er ist nicht konkurrenzstark. Am besten gedeiht er daher bei mir in Gefäßen. Im Beet wird er zu sehr von anderen Pflanzen bedrängt und überwuchtert.

In gut sortierten Gärtnereien gibt Jungpflanzen zu kaufen. Du kannst ihn aber auch selber aus Saatgut vorziehen oder direkt in lockere Erde aussäen – je nach Region, Standort und Witterung von März bis Ende September / Anfang Oktober. Die Samen kommen ein bis zwei Zentimeter tief in die Erde und keimen binnen 14 Tagen. Sonne und Halbschatten sind fürs Wachstum ideal.

Einmal etabliert, sät sich Hirschhornwegerich von selbst aus. Wenn du das nicht willst, schneide die Blütenstände ab, bevor die Samen reifen.

Stadtpflanze des Jahres 2026

In der Natur kommt Hirschhornwegerich in Küstengebieten vor – auch bei uns, an der Nordsee. Er wächst auf schwach salzhaltigen, feuchten bis wechselfeuchten Sandböden, wo es wenig anderes gibt, was ihn überwuchern kann. Auf Salzwiesen und an Dünen, zum Beispiel.

Seit einigen Jahren jedoch wird er auch vermehrt in den Städten bemerkt – zum Beispiel in Bochum. Daher haben ihn die Mitglieder des Bochumer Botanischen Vereins zur „Stadtpflanze des Jahres 2026“ gewählt.

Insgesamt ist das eine spannende Entwicklung: Bis in die 1980er-Jahre galt das Wildkraut noch als städtemeidend.

Podcast-Folge zu Hirschhornwegerich

Wenn du wissen möchtest, warum der Hirschhornwegerich nun vermehrt in den Städten entdeckt wird, oder worauf es beim Anbau im Garten und auf dem Balkon ankommt, dann höre dir gern die Folge „Wildgemüse: Hirschhornwegerich“ des Garten-Podcasts „Grüner wird’s nicht“ an. Ich verrate dir dort auch, wie man das Wildkraut am besten erntet und wofür du es verwenden kannst.

Gartensendung Radio Bremen Eins Grüner wird's nicht Gartenexpertin Melanie Öhlenbach Foto Jörg Sarbach

Ausführliche Porträts in Buchform

Weil ich vom Hirschhornwegerich so begeistert bin, hat er es natürlich auch prominent in einige meiner Gartenbücher geschafft.

Schau doch mal nach – zum Beispiel in „Coole Ernte“ ab Seite 38 und in „Pflückbar“ ab Seite 64!


Mein Fazit

Warum empfehle ich Hirschhornwegerich gern für den Balkongarten?

  • Hirschhornwegerich ist ein Überlebenskünstler. Er kommt gut mit Sonne und stellenweise auch mit kurzeitiger Trockenheit zurecht.
  • Du kannst ihn nahezu das Jahr über anbauen und ernten – vom zeitigen Frühjahr bis in den Winter hinein.
  • Hirschhornwegerich gibt es im Handel selten zu kaufen. Und das Aroma ist etwas Besonderes!

Und jetzt du!

Hast du schon mal Hirschhornwegerich probiert?


Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon- und Kleingärtnerin, wie du dir auch auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

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