Dass es immer weniger Insekten gibt, hast du sicherlich mitbekommen. Doch was können wir gegen das Insektensterben tun? Ich habe ein paar Ideen gesammelt, wie wir Schmetterlingen, Bienen, Käfern & Co helfen können – sogar ohne Garten und Balkon.

Eine Welt ohne Insekten möchte ich mir gar nicht vorstellen. Sie wäre nicht nur weniger bunt und ziemlich still. Auch mein Tisch wäre wesentlich karger gedeckt – und auch bei vielen anderen Tieren bliebe der Teller leer, um mal im Bild zu bleiben.

Insekten spielen auf unserer Welt viele entscheidende Rollen. Oft denken wir dabei als erstes an die Bienen, Hummeln und anderen Wildbienen, die Blüten bestäuben. Schmetterlinge landen in der Regel ebenfalls auf dem Podest der bekanntesten Insekten – sind ja auch hübsche Gäste im Garten und auf dem Balkon.

Und sonst so…?

Da wären zum Beispiel noch die Käfer, die Heuschrecken, die Köcherfliegen und Hautflügler, die Ohrwürmer, Libellen und Schnabelkerfen, zu denen unter anderem die Wanzen und Pflanzenläuse gehören.

Warum Insekten wichtig sind

Die kleinen Krabbler und Flatterer, Sauger, Summer und Zirper übernehmen eine Vielzahl von Aufgaben auf unserem Planeten und in seinen verschiedenen Ökosystemen. Sie leisten Dienste, deren Wert nicht zu beziffern und mit Geld nicht zu bezahlen sind.

Hier eine kleine Auswahl:

  • Blüten bestäuben, damit wir etwas zu essen haben
  • aufräumen und organische Stoffe in Einzelteile zerlegen, damit Boden gut wird und andere was zu futtern haben – Pflanzen, zum Beispiel
  • andere Insekten fressen und uns zum Beispiel so beim Gärtnern helfen
  • selber gefressen werden – zum Beispiel von Vögeln, Kröten oder Igeln

Du ahnst es sicherlich schon: Ohne Insekten würde das Leben ziemlich schnell zusammenbrechen.

Zwei Statistiken zum Insektensterben

Doch um die Insekten steht es schlecht. Hier nur zwei Statistiken, die das aus meiner Sicht sehr deutlich machen.

Krefelder Studie

Zwischen den Jahren 1989 und 2016 wurden Fluginsekten in Schutzgebieten dokumentiert. Das Ergebnis: Die Menge (Bio-Masse) ist um 76 Prozent zurückgegangen, im Hochsommer sogar bis zu 82 Prozent. Nachzulesen unter anderem auf der Website des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Diese Zahl untermauert das, was viele von uns entweder selbst noch aus Kindertagen kennen oder von Eltern und Großeltern erzählt bekommen: Diese Masse an toten Insekten, die schon nach wenigen Kilometern auf der Autobahn an der Frontscheibe und Scheinwerfern klebten – gibt es heute nicht mehr.

Aber nicht nur die schiere Menge hat abgenommen.

Rote Liste

Laut dem Rote Liste Zentrum sind 32 Prozent der wirbellosen Tiere bestandsgefährdet oder ausgestorben. Also fast eine Drittel, nahezu jede dritte Art.

Auf der Vorwarnliste steht inzwischen auch der prächtige Moschusbock (Aromia moschata), der viele Sommer lang zuverlässig zu meiner großen Freude zu Gast auf meinem Balkon war – und dann nie wieder: Sein Lebensraum – die alte Weide im Nachbargarten – wurde gefällt und nicht adäquat ersetzt.

Gründe für das Insektensterben

Warum es immer weniger Insekten gibt, hat viele Ursachen. Auch hier eine kleine Auswahl, grob zusammengefasst:

  • Mangel an Lebensraum: Wie jedes Lebewesen brauchen auch Insekten einen Ort und Material, mit dem sie ihr Zuhause bauen können – für sich und ihren Nachwuchs. Am besten dauerhaft. Und sie brauchen natürlich etwas zu essen und zu trinken – sprich: Futter. Doch von beidem gibt es immer weniger bzw. nicht genug.
  • Gifte: Der Einsatz von Pflanzen“schutz“mitteln in der Landwirtschaft und im Garten bedeutet für viele Insekten den Tod. Aber auch Medikamente wie Flohmittel oder Nitrat in Gewässern schaden ihnen.
  • Lichtverschmutzung: Helles Licht im Dunkeln ist gerade für nachtaktive Insekten – und dazu zählen nicht nur die Motten – ein Problem. Lässt sich an lauen Sommerabenden leider häufig in Gärten und auf Balkonen beobachten.
  • Klimakrise: Dürren, Starkregen, Stürme und andere Folgen beeinflussen zunehmend die Lebenswelt der Insekten – siehe Punkt 1.

Sicherlich kann eine Person allein die Welt nicht retten und das Insektensterben stoppen. Aber jede und jeder von uns kann etwas tun – nicht nur im Garten und auf dem Balkon. Und jedes bisschen hilft!

Podcast-Folge: Insekten unterstützen

Wie du das Insektensterben stoppen und Insekten unterstützen kannst – auch ohne Garten und Balkon! – kannst du im Garten-Podcast „Grüner wird’s nicht“ in der Folge „Das kann jeder von uns gegen das Insektensterben tun“ hören.

Gartensendung Radio Bremen Eins Grüner wird's nicht Gartenexpertin Melanie Öhlenbach Foto Jörg Sarbach

Du willst konkrete Anleitungen und mehr Pflanzen-Empfehlungen für deinen Balkon oder Garten?
In meinem Buch „Klimahelden auf dem Balkon geht es nicht nur um Anpassung an Extremwetter, sondern auch die Folgen der Klimakrise für die Tiere und wie wir ihnen helfen können.


Und jetzt du!

Wie unterstützt du Insekten in deinem grünen Paradies und/oder in deinem Alltag?

Kategorien: Insekten

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

2 Kommentare

Chrissi · 23. Juli 2026 um 11:07 a.m.

Wir lassen schon seit Jahren in unserem Garten „Unkrautecken “ stehen (Brennnesseln, Löwenzahn, Sauerampfer, Disteln, Scharbockskraut…) . Auch im Kräuterkasten lassen wir Schnittlauch, Thymian, Salbei , Borretsch usw. blühen, was von den Insekten gut angenommen wird.

    Mel · 23. Juli 2026 um 3:55 p.m.

    Hallo Chrissi,

    das ist schön zu lesen, dass ihr einen Platz für Insekten geschaffen habt. So ein bisschen Wildnis kann im Garten gut unterbringen – und blühende Kräuter sind super. Nicht nur was fürs Auge, sondern auch für den Gaumen – auch unseren!
    Ich wünsche dir, dass es weiterhin so viele kleine Besucher hast!

    Kistengrüne Grüße
    Mel

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert