Wenn du in der kalten Jahreszeit auf leckeres Grünzeug nicht verzichten magst, nur drinnen gärtnern kannst oder nicht lange auf eine Ernte warten willst, habe ich einen Tipp für dich: Microgreens.
Schnee, Eis und Dauerfrost: Seit Wochen hat der Winter den Balkon fest im Griff – da hilft auch das Dach und die Abwärme von der Hauswand nicht mehr. Wahrscheinlich muss ich mich in diesem Frühjahr von ein paar Pflanzen verabschieden.
Ein paar Schätzchen habe ich im Hausflur unterbringen können, aber leider nicht alle. Dort harren sie nun – nicht unbedingt auf den Frühling, aber zumindest darauf, dass es ein paar Grad über null gibt. Zumindest tagsüber.
Viel zu tun gibt es draußen also nicht. Aber das heißt nicht, dass der grüne Daumen weiterhin im Winterschlaf bleiben muss. Schließlich können wir auch drinnen gärtnern!
Indoor Gardening mit Microgreens
Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, im Winter Microgreens im Wohnzimmer zu ziehen. Erst aus Langeweile, aber dann haben mich der schnelle Erfolg und das leckere Ergebnis dann doch angefixt.
Als Microgreens oder Grünsprossen bezeichnet man essbare Sämlinge oder Keimlinge, meist von Gemüse und von Kräutern. Anders als Sprossen wurzeln sie in Erde oder Vlies und haben schon erste grüne Blätter ausgebildet. Gegessen werden nur die oberirdischen Pflanzenteile.
Microgreens anbauen sind eine prima Sache, denn sie
- wachsen auf der Fensterbank,
- brauchen wenig Platz,
- sind unkompliziert,
- nach wenigen Tagen erntereif und
- schmecken einfach lecker: auf Brot, Rührei und im selbstgemachten Kräuterquark.
Viele loben auch, dass Grün- und Keimsprossen gesund sind.
Was aber manchmal unerwähnt bleibt: Sprossen können mit Krankheitserregern verunreinigt sein. Inwiefern das auch auf Microgreens zutrifft, konnte ich leider nicht abschließend klären.
Daher an dieser Stelle der Hinweis von LAVES, BfR & Co:
Insbesondere Risikogruppen wie Kinder, Senioren, Schwangere und Personen mit geschwächter Immunabwehr sollten grundsätzlich auf den Verzehr von frischen Sprossen verzichten oder diese nur nach ausreichendem Erhitzen verzehren.
Zur Verringerung der Keimbelastung müssen rohe Sprossen grundsätzlich gründlich gewaschen und möglichst schnell verbraucht werden!
Quelle: LAVES, Sprossen und Keimlinge – knackig, frisch und unbedenklich?
Microgreens anbauen
Im Handel gibt es fertige Sets für den Anbau von Microgreens. Viel günstiger ist es, die Grünsprossen in einer flachen Schale auf torffreier Anzuchterde oder Kokosfasern zu ziehen.
Geprüftes Sprossensaatgut in Bio-Qualität bekommst du im Bio-Laden, einigen Gartenfachgeschäften und online.
In meinem Buch „Coole Ernte. Balkongärtnern im Winter“ zeige ich dir, wie du Microgreens anbaust. Hier ist die Anleitung daraus:

- Schale mit etwa 2 cm torffreier Anzuchterde füllen. Andrücken und gut anfeuchten, zum Beispiel mit Wasser aus einer Sprühflasche.
- Samen gleichmäßig aussäen, durchaus etwas dichter, da sie ja bald geerntet werden.
- Lichtkeimende Samen oberflächlich andrücken. Dunkelkeimer mit etwas Erde bedecken oder bis zur Keimung mit Pappe abdecken.
- Auf eine helle, warme Fensterbank stellen. Bei Bedarf mit Wasser besprühen.
Samen und Sämlinge dürfen nicht austrocknen, aber auch nicht zu nass stehen, da sie sonst faulen. Stehen die Keimlinge zu feucht und kalt, kann sich Schimmel bilden.
Grünsprossen ernten
Wie gesagt, werden bei den Grünsprossen nur Stängel und Blätter verwendet. Schneide sie mit einem scharfen Messer oder einer Schere ab, sobald sich das Grün entwickelt hat.
Die durchwurzelte Unterlage kannst du über den (Wurm)Kompost oder in der Bio-Tonne entsorgen.
Was eignet sich für Microgreens?
Das bekannteste Microgreen hast du sicherlich schon mal gegessen: Kresse.
Es gibt aber noch viele andere Kräuter und Gemüse, die sich für Micogreens eignen.
- So sind auch die Keimlinge von Brokkoli, Kohlrabi, Grünkohl, Rotkohl und Rote Bete essbar.
- Eine milde Schärfe liefern Senf, Radieschen, Rettich und Rucola.
- Für Würze sorgen wie Koriander und Dill.
- Erbsensprossen und Weizengras kannst du ebenfalls drinnen ziehen.
VORSICHT!
Nicht alles eignet sich für Grünsprossen!
Nicht essbar sind giftige Pflanzen, zum Beispiel Nachtschattengewächse wie Aubergine, Tomate und Paprika.
Welche Grünsprossen (aktuell) mein Favorit sind, verrate ich dir übrigens in meiner Kolumne „Frisches Grün“.
Und jetzt du!
Welches Microgreen wächst bei dir auf der Fensterbank?


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