Kistengrün

Plantix-App erkennt automatisch Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich euch die kostenlose Gartenbank-App von PEAT vorgestellt. Unter dem neuen Namen Plantix soll das mobile Nachschlagewerke für Schädlinge und Pflanzenkrankheiten nun auch weltweit helfen, wie Pierre Munzel im Interview verrät.

Foto: PEAT

Foto: PEAT

Die GartenBank-App heißt jetzt Plantix. Warum der neue Name?

Einer unserer Ansätze ist es, Menschen weltweit verbinden zu wollen. Ein Foto, das hier von einer Tomatenerkrankung gemacht wird, hilft ja gleichzeitig anderen Menschen, zum Beispiel dem Kleinbauern in Indien. Und umgekehrt. Aus diesem Grund wollten wir einen einheitlichen Namen haben, der sowohl hier als auch international Anwendung finden kann.

Was hat sich noch verändert?

Äußerlich hat sich App gar nicht so sehr verändert, weil wir die die benutzerfreundliche Oberfläche erhalten wollten. Darunter ist jedoch eine ganze Menge passiert. Allen voran die automatische Erkennung: Plantix kann inzwischen über 40 Pflanzenschädigungen automatisch erkennen. Und wöchentlich kommen neue hinzu.

Die Behandlungsvorschläge und ökologischen Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln sind natürlich weiterhin fester Bestandteil von Plantix.

Gibt es jetzt auch Version fürs iPhone?

Leider muss ich sagen, nein.

Wir arbeiten aber daran und sind sehr zuversichtlich, dass wir zur nächsten Gartensaison eine Version für das iPhone im Programm haben.

Foto: PEAT

Foto: PEAT

Die Gartenbank-App sollte ja auch ein Crowdsourcing-Science-Projekt sein, bei dem alle wissenschaftliche Daten liefern, die ausgewertet werden. Was ist daraus geworden? Kann ich Verbreitungskarten abrufen?

Das Projekt war sehr erfolgreich. Wir haben insgesamt knapp 15.000 Fotos von unseren Nutzern bekommen, die wir auswerten konnten. Eine Karte in der App zeigt nun, aus welchen Regionen wir bereits Fotos bekommen haben.

Die weiteren Daten bekommst du auf Anfrage direkt von uns. So können wir für jedem einzelnen Interessenten ein individuelles Datenpaket bereitstellen. Einfach eine E-Mail an uns schreiben.

Gibt es überraschende Erkenntnisse aufgrund der Daten, die euch geliefert wurden?

Wir waren auf jeden Fall sehr überrascht, wie viel Zuspruch wir bekommen haben und wie viel Interesse es tatsächlich an Plantix gab. Das hat uns auch sehr gefreut.

Eine wichtige Erkenntnis war, dass in vielen Fällen nicht direkt Krankheiten der Auslöser für Schäden waren. In vielen Fällen waren einfach eine unzureichende Pflege der Pflanzen oder ein nicht gut gewählter Standort ausschlaggebend.

So haben wir zum Beispiel ein Foto von einer Tomate erhalten, die schattig bis dunkel unter eine Treppe gepflanzt war. Und der Nutzer hat sich dann gefragt, warum seine Tomaten nicht ganz so kommen wollen 😉

Foto: PEAT

Foto: PEAT

Was wurde am häufigsten nachgefragt?

Von Mehltau an Gurken bis hin zu Nährstoffmängeln an Tomaten war alles dabei. Natürlich auch viele „Klassiker“. Besonders häufig haben wir Fotos von Pockenmilbe an Wein und vom Bienengitterost bekommen.

In unserem letzten Gespräch war eines Eurer Ziele: Ernteausfälle zu verhindern – vor allem in den ärmeren Regionen. Was hat sich da getan?

Dieses Ziel steht immer noch ganz oben auf unserer Agenda. Schließlich ist die globale Nahrungsmittelversorgung und Ernährungssicherheit ein Thema, das uns alle angeht und nicht einen kurzen Hype darstellt, der schnell wieder verebbt. Um diesem Ziel näher zu kommen, wollen wir Plantix international veröffentlichen.

Aktuell ist ein Team von uns in Indien unterwegs, um Kontakte zu lokalen Landwirten und Organisationen aufzubauen. Denn für jedes Land, in dem Plantix veröffentlicht werden soll, müssen vorher Informationen über die Gegebenheiten vor Ort eingeholt werden. Besonders wichtig ist es zu erfahren, was am häufigsten angebaut wird und wodurch die meisten Ausfälle verursacht werden. Zum Sommerende werden wir den Schritt nach Brasilien wagen.

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Foto: PEAT

Was sind Eure nächsten Pläne?

Wir wollen Plantix in noch mehr Ländern veröffentlichen, damit noch mehr Menschen die Möglichkeit haben, ihre Pflanzenschäden erkennen und behandeln zu können.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Wir werden aktuell über das Exist-Gründerstipendium vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie finanziert, das wir Ende des vergangenen Jahres erhalten haben. Gleichzeitig sind wir in Gesprächen mit potenziellen Partnern, um PEAT und Plantix für die Zukunft fit zu machen und auf eine solide Basis zu stellen.

Wie kann man euch unterstützen?

Also, der beste Weg uns zu unterstützen, ist natürlich sich Plantix zu holen und zu benutzen. Und wenn es gefällt, all seinen Freunden und Bekannten davon zu erzählen.

 

Zur Person:

Das PEAT-Team. Foto:PEAT

Das PEAT-Team. Foto: PEAT

Pierre Munzel (hintere Reihe, Mitte) hat zwar (noch) keinen eigenen Garten, ist aber ein leidenschaftlicher Pflanzenfreund. Gemeinsam mit weiteren Natur- und Geisteswissenschaftlern, Programmierern und App-Entwicklern aus Hannover hat er die Firma PEAT (Progressive Environmental & Agricultural Technologies) gegründet.

 

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7 Kommentare zu “Plantix-App erkennt automatisch Pflanzenkrankheiten und Schädlingsbefall

  1. Walter Clari

    Lebe in SO Asien. Habe einen grosssen Garten in welchem ich nur BIO Produkte zum Eigengebrauch anbaue. Das Ungeziefer und Pflanzenkrankheiten bekaempfe ich mit Bio Pestisieden, aus Neem, Papayablaetter, Tabak ect. Alles unbehandelt mit Chemie. Ihre App wuetde bestimmt sehr hilfreich sein um Schaedlinge und deren Bekaempfung schnell zu erkennen bzw. einzuleiten. LG aus Ostjava. Walter

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Walter,

      die Entwickler von Plantix streben meines Wissens eine App an, die weltweit einsetzbar sein soll. Vielleicht magst Du Dich ja mal mit ihnen in Verbindung setzen. Eine Kontaktadresse findest Du auf der Webseite von Peat.
      Viel Erfolg! 🙂

      Kistengrüne Grüße nach Ostjava!
      Mel

  2. Pingback: Keine Angst vor dem Frost: Zitronenbaum und Pfirsich richtig überwintern

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Rainer,

      ich gebe deine Bitte gern weiter!
      Ich bin ja nicht in die Entwicklung involviert, sondern habe nur über die App geschrieben.

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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