Kistengrün

Wilde Woche: „Selber sammeln macht Spaß“

Das erste essbare Grün wächst in der Regel nicht auf meinem Balkon, sondern in der freien Natur. Im Interview erklärt Heilpflanzenexpertin Bettina Burfeind, welche Wildkräuter ihr jetzt sammeln könnt und warum „Un-Kraut“ viel zu schade für den Kompost ist.

Heilpflanzenexpertin Bettina Burfeind kennt die Pflanzen auf dem Deich. Sie erntet aber auf den Wiesen befreundeteter Bauern oder im eigenen Garten.

Heilpflanzenexpertin Bettina Burfeind kennt die Pflanzen auf dem Deich. Sie erntet aber nur auf den Wiesen befreundeteter Bauern oder im eigenen Garten.

Was sind Wildkräuter?

Wildkräuter – oder besser: essbare Wildpflanzen – sind Pflanzen, die nicht durch Züchtung auf Ertrag, Geschmack, Aussehen verändert wurden. Wir finden sie heute noch unverfälscht in der freien Natur oder auch in unserem Garten, wo wir die oft zu Unrecht als „Unkraut“ titulierten Pflanzen mit viel Hingabe entfernen.

 

Welche Kräuter kann man in der freien Natur sammeln?

Dies ist eine sehr umfangreiche Frage, die ich nicht vollkommen beantworten kann. Prinzipiell darf man alles sammeln, was nicht unter Naturschutz steht! Allerdings sollte man auch nur das sammeln, was man wirklich gut kennt: Einige Kräuter kann man leicht mit giftigen Pflanzen verwechseln! Also unbedingt vorsichtig sein.

 

Welche Kräuter haben jetzt Saison?

Zurzeit kommt das frische Grün aus dem Boden und lockt, von uns gegessen zu werden. Giersch (Aegopodium podagraria L.) ist jetzt besonders zart und vielfältig verwendbar.

Die Blätter des Löwenzahns (Taraxacum off.) sind jetzt noch nicht ganz so bitter. Sie lassen sich zu Salat und Smoothies verarbeiten und passen gut zu Eierspeisen. Um die Bitterstoffe etwas zu mildern, sollte man übrigens die feingeschnittenen Blätter eine Stunde mit Salz oder in Wasser ziehen lassen. Die gelben Blüten lassen sich wunderbar zu Sirup, Honig oder Likör verarbeiten.

Lecker und eine absolute Konkurrenz zu Bärlauch und Knoblauch ist die am Wegesrand wachsende Knoblauchrauke (Alliaria petiolata). Die jungen Blätter und Triebe haben einen angenehmen Knoblauchgeschmack und verfeinern damit Salate, Gemüsegerichte, Kräuterquark und Kräuterbutter.

Knoblauchrauke

Knoblauchrauke

Aber das sind jetzt nur drei Beispiele. Es gibt zurzeit noch viel mehr Wildkräuter. Je nach Jahreszeit und Pflanze kann man durchaus auch verschiedene Teile kulinarisch verarbeiten: im Frühjahr die frischen und jungen Triebe, später die Blüten, Samen und im Winter sogar die Wurzeln.

 

Naturschutzgebiete sind tabu

Auf dem Land oder in der Stadt – wie finde ich einen guten Ort zum Kräutersammeln?

Es ist unbedingt nötig auf’s Land zu fahren. Prinzipiell sollte man nur an Orten sammeln, die fern ab des Straßenverkehrs und fern ab der Hundelauftrassen liegen. Wenn wir uns beim Sammeln schon die Mühe geben, wollen wir ja auch Qualität ernten! Außerdem sollte es selbstverständlich sein, nicht ohne Rücksprache mit den Landwirten auf Wiesen und Weiden zu sammeln. Und Naturschutzgebiete sind ein absolutes No-go!

Am vertrauenswürdigsten ist meiner Ansicht nach aber der eigene Garten. Hier weiß man einfach, was man hat. Und statt mit Herbiziden oder der Hacke gegen das ungewünschte Kraut anzugehen, sollte man es vielleicht besser aufessen: eine perfekte Win-win-Situation. Wenn Sie einmal auf den Geschmack gekommen sind, lässt sich Giersch übrigens so am einfachsten besiegen. 🙂

 

Kann ich Wildpflanzen auch auf dem Balkon ziehen?

Ja, einige essbare Wildpflanzen lassen sich sehr gut im Topf ziehen. Ich pflanze dort zum Beispiel Löwenzahn oder Gundermann (Glechoma hereraceae) der übrigens auch ein netter Blumenschmuck ist. Der Vorteil: Die Pflanze wachsen quasi vor der Haustür und man weiß, was es ist.

Löwenzahn

Löwenzahn

Gibt es in Bremen besondere Stellen, an denen es viele essbare Pflanzen gibt?

Diese Ecken gibt es, doch ich will sie nicht verraten! Und das aus einem ganz einfachen Grund: Spätestens wenige Tage nach Erscheinen des Interviews würde man sicherlich dort kein Kraut mehr finden. Viele Menschen würden etwas gedankenlos alles pflücken und nichts mehr übriglassen, damit sich die Pflanzen weiter vermehren und wohlfühlen können.

 

Kräuter vom Markt als Alternative

Selber sammeln oder aus dem Supermarkt: Was ist besser?

Selber sammeln macht natürlich mehr Spaß. Und es gibt einem das Gefühl, mit der Natur verbunden zu sein. Doch nicht immer ist es möglich, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Alternativ empfehle ich Kräuterstände auf Ökomärkten. Dort wird man in der Regel auch gut beraten.

 

Wie lange dauert die Saison?

Von Frühjahr bis Herbst haben wir eine reiche und sehr abwechslungsreiche Saison. Aber auch im Winter kann man noch einige essbare Pflanzen finden. Teilweise nutzt man in dieser Jahreszeit auch nur die Wurzeln. Die Wurzeln des Spitzwegerich haben zum Beispiel einen angenehmen champignonartigen Geschmack. Gut kleingeschnitten und mit Paprika und Tomaten gegart kann man damit gut Teigtaschen füllen. Allerdings sollte man die Wurzeln vor dem Verarbeiten sehr gut reinigen, weil sie sehr fein verästelt sind.

 

Worauf man beim Sammeln besonders achten sollte, erfahrt ihr im zweiten Teil des Interviews.

Was ihr mit den Wildkräuter herstellen könnt, erfahrt ihr im dritten Teil des Interviews.

Diese Regeln solltet ihr beim Sammeln beachten.

So lecker können Wildkräuter sein: Eure Rezepte.

Weitere Rezepte gesucht! Was kocht ihr am liebsten mit wilden Kräutern?

 

Zur Person:

Bettina Burfeind fand die Welt der Pflanzen schon als Kind sehr spannend. Daher hat sich die diplomierte Agraringenieurin an der Heilpflanzenschule Verden zur Heilpflanzenexpertin ausbilden lassen. Ihre Kenntnisse über essbare Wildpflanzen, ihre Verwendung in der Küche und für das Wohlbefinden sowie ihre Liebe zur Natur gibt sie gern Kindern und Erwachsenen bei Seminaren, Workshops, Kursen und Exkursionen in Bremen und umzu weiter.

Eine weitere Leidenschaft, vor allem in der kalten Jahreszeit, ist Tee. Besonders interessiert sie sich für seine Geschichte(n) und verschiedene Tee-Zeremonien. „Tee ein Lebenselixier mit Geschmack, eine faszinierende Pflanze mit viel Potenzial“, ist Bettina Burfeind überzeugt.

 

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11 Kommentare zu “Wilde Woche: „Selber sammeln macht Spaß“

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