Seit 1951 engagieren sich Naturfreunde in Deutschland beim Deutschen Wetterdienst (DWD) als phänologische Beobachter. Was sie tun und wie man phänologischer Beobachter wird, erklärt Anja Engels im Gespräch.

Ein Windrad auf dem Balkon ist zwar schön, macht aber noch keinen phänologischen Beobachter. ;-)

Ein Windrad auf dem Balkon ist zwar schön, macht aber noch keinen phänologischen Beobachter. ;-)

Frau Engels, wer sind phänologische Beobachter und wozu braucht der Deutsche Wetterdienst sie?

Es sind Idealisten und Naturliebhaber, die während einer gesamten Vegetationsentwicklung Daten zur Pflanzenentwicklung notieren. Allen gemeinsam sind das Interesse am Umweltgeschehen und das Wissen um die heimische Flora.

Was versteht man unter Phänologie – und warum ist sie wichtig?

Das Wort Phänologie ist dem Griechischen entlehnt und bedeutet die Lehre der Erscheinungen. Die Phänologie im Deutschen Wetterdienst ist ein Teilgebiet der Klimatologie. Sie befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungsphasen der Pflanzen. So sind gut sichtbare Veränderungen der Pflanzen Ausdruck eines Wechsels in ihrem physiologischen Zustand und stehen in enger Beziehung zur Witterung und zum Klima.

Gibt es einen Bereich oder eine Entwicklung, die nur durch die Hilfe der Beobachter entdeckt werden konnte?

Die Vegetationspanne – also zwischen dem Beginn der Forsythienblüte und dem Blattfall der Stiel-Eiche – hat sich in Bezug auf die WMO*-Standardperiode verlängert. Hiermit werden weltweit auch alle meteorologischen Parameter wie zu Beispiel die Temperatur verglichen.

(*World Meteorological Organization, Weltorganisation für Meteorologie)

So werdet ihr phänologische Beobachter
Weidenkätzen mit Schnee

Blühende Weidenkätzechen trotz Schnee: Wenn es im Winter schon Frühling ist…

Was ist meine Aufgabe als phänologischer Beobachter?

Jahr für Jahr die Entwicklung in der Natur zu beobachten. Je nach Programm sind bis zu 48 verschiedene wildwachsender Pflanzen, Obst, Wein und Landwirtschaft zu beobachten. Insgesamt können in einem Jahr 168 Beobachtungen notiert und zum Jahresende an den DWD geschickt werden.

Wie viel Zeit muss ich investieren?

Etwa 200 Stunden im Jahr. Die Hauptsaison ist im Frühjahr. Diese Zeit wird etwa benötigt, um sein Beobachtungsgebiet in der Entfernung bis zu fünf Kilometer zu kontrollieren und die benötigten Phasen nach Eintritt zu notieren.

Ich bin ja eher eine Langschläferin. Muss ich morgens um halb fünf aufstehen, um die Daten zu sichten und zu melden? Was ist, wenn ich es mal vergesse oder in Urlaub fahre?

Die zu beobachtenden Phasen treten eher im Laufe des Tages ein, viele sind direkt mit der Sonneneinstrahlung verbunden, so geht der Huflattich zum Beispiel erst auf, wenn der Boden sich im Frühjahr erwärmt und die Sonne scheint. Wenn man im Urlaub ist oder aus anderen Gründen nicht die Natur beobachten kann, trägt man nichts ein. Es sollen nur wirklich beobachtete Eintrittstermine gemeldet werden, da geschätzte Daten die wissenschaftliche Auswertung beeinträchtigen.

Was passiert mit den Daten, die ich sammle?

Die Daten werden nach Eingang wissenschaftlich geprüft und über das Climate Data Center des DWD kostenfrei der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Wer profitiert davon?

Die gewonnenen Daten eignen sich für verschiedene Anwendungsgebiete, unter anderem für die Klimaforschung, Agrar- und Forstwirtschaft, Geografie, Beratung der Landwirtschaft und den Polleninformationsdienst für Allergiker.

Gibt es eine Vergütung?

Für die Erhebung der Beobachtungsdaten bekommen die ehrenamtlichen phänologischen Beobachterinnen und Beobachter eine jährliche Aufwandsentschädigung von anfangs 230 Euro.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen?

Freude und großes Interesse an der Natur sowie genügend Zeit.

Wer phänologischer Beobachter werden will, kann sich beim Deutschen Wetterdienst informieren. In der regelmäßig aktualisierten Liste könnt ihr nachlesen, für welche Region phänologische Beobachter gesucht werden. Weitere Informationen erteilt Anja Engels unter Telefon 069/8062 2946 oder per E-Mail an phaenologie@dwd.de.

 

Zur Person

EngelsAnja_DWDAnja Engels ist landwirtschaftlich-technische Assistentin (LTA) und hat die mittlere Laufbahn im technischen Dienst beim Deutschen Wetterdienst absolviert. Sie ist für die Verwaltung des phänologischen Netzes zuständig. „Ich bin schon immer gerne in Feld, Wald und Wiese unterwegs. Ich habe große Freude daran, die Natur und die Pflanzen zu beobachten“, sagt sie.

 

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Kategorien: Jahreszeiten

Mel

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

2 Kommentare

Plantix-App erkennt Krankheiten und Schäden an Pflanzen automatisch · 9. Januar 2017 um 5:52 pm

[…] Phänologische Beobachter […]

Der Phänologische Kalender - Rambling Rocks · 17. Februar 2018 um 5:22 pm

[…] Interview mit einem phänologischen Beobachter […]

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