Kistengrün

GartenBank-App hilft bei Schädlingen und Pflanzenkrankheiten

Mit sechs Wissenschaftlern hat Pierre Munzel die GartenBank entwickelt: Per Smartphone können Gärtner in der mobilen Datenbank recherchieren, was gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge hilft. Im Interview erklärt Pierre Munzel, wie die App funktioniert.

Foto: GartenBank-Projekt

Was hilft, wenn eine Pflanze krank ist? Foto: GartenBank-Projekt

Wie seid ihr auf die Idee zur GartenBank-App gekommen?

Simone und Robert Strey hatten im Herbst 2014 die Idee, Pflanzenkrankheiten an Nutzpflanzen – also Obst und Gemüse – zu katalogisieren. Schnell entstand daraus die Idee, die häufigsten Pflanzenkrankheiten in Hobby- und Kleingärten zu kartieren. Gleichzeitig entwickelte sich die Idee, einen jederzeit verfügbaren Ratgeber zur Erkennung und Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten herauszugeben – und die App war geboren.

Und was ist das Ziel eures GartenBank-Projektes?

Foto: GartenBank-Projekt

Foto: GartenBank-Projekt

Wir haben ganz viele Ziele. 😉

Zunächst einmal wollen wir Menschen dabei helfen, Pflanzenkrankheiten zu erkennen und zu bekämpfen. Indem wir über die App ökologische Alternativen zu chemischen Pflanzenschutzmitteln bekannt machen, kann jeder zu einem umweltfreundlicheren Umgang mit Pflanzenkrankheiten beitragen. Pestizide sollten nämlich nur dort eingesetzt werden, wo es auch sinnvoll ist: Chemische Krankheitsbekämpfung macht zum Beispiel bei speziellen Erkrankungen, die sich in den Gefäßbahnen der Pflanzen ausbreiten, keinen Sinn. Sie schädigt nur die Umwelt.

Darüber hinaus wollen wir der Allgemeinheit kostenlos Expertenwissen zur Verfügung stellen. Die GartenBank ist ein Crowdsourcing-Science-Projekt: Jeder kann sich daran beteiligen und durch sein Wissen unsere wissenschaftlichen Arbeit unterstützen. Die daraus entstehenden Verbreitungskarten sollen die häufigsten Pflanzenkrankheiten in den einzelnen Regionen Deutschlands darstellen. So was gibt es bislang noch nicht! 🙂

Das wohl größte Ziel der GartenBank ist es, Ernteausfälle zu verhindern. Und das nicht nur hierzulande, in kleinem Stil: Wir hoffen, dass die App dazu beitragen kann, den Hunger weltweit zu lindern. Denn während kranke Pflanzen für einen Gärtner in Deutschland meist nur ärgerlich sind, kann ein Schädlingsbefall für einen Kleinbauern in Afrika den kompletten Verlust der Ernte bedeuten. Das bedroht nicht nur seine Existenz, sondern bedeutet auch Hunger für ihn und seine Familie.

Datenbank und Wissenschaftsprojekt in einem

Wie ist die GartenBank-App aufgebaut?

Die App besteht aus zwei Teilen: einen Ratgeber zu über 90 Pflanzenkrankheiten und einer interaktiven Software, mit der sich jeder an der Kartierung beteiligen kann.

Sprechen wir zunächst über den Ratgeber: Wie stelle ich fest, welche Krankheit eine Pflanze hat?

Krankheitsbild. Foto: GartenBank-Projekt

Foto: GartenBank-Projekt

Du kannst die Symptome der kranken Pflanze mit Fotos in der App abgleichen und so das Problem selber identifizieren. Direkt auf dem Feld oder im Garten: Du brauchst nur ein Smartphone. Weißt du, was der Pflanze fehlt oder welcher Schädling sie befallen hat, schlägt dir die App Behandlungen vor. Neben konventionellen Verfahren gibt es in vielen Fällen auch alternative, ökologisch verträgliche Methoden, damit dein Gemüse auch ohne Chemie weiter wachsen kann.

Langfristig wollen wir die App so weiterentwickeln, dass sie automatisch Pflanzenkrankheiten erkennen kann. Dann müsstest du nur noch ein Foto von der kranken Pflanze machen und die App könnte dir direkt sagen, was die Pflanze hat und wie du sie heilen kannst.

Welche Krankheiten werden am häufigsten abgefragt?

Birnengitterrost, Pockenmilbe und Blattläuse. Viele Krankheitsbilder resultieren jedoch aus der falschen Pflege der Pflanzen: Tomaten werden nicht ausreichend gedüngt. Auberginen bekommen zu wenig Wasser oder nicht genug Sonne. Bei Topfpflanzen ist auch Staunässe ein häufiges Problem, wenn die Löcher im Topfboden fehlen.

Was kann ich gegen Birnengitterrost, Pockenmilbe und Blattläuse tun?

Bei Birnengitterrost solltest du die Wacholdersträucher in der Nähe entfernen. Die Birne ist nämlich nur ein Zwischenwirt. Der Hauptwirt ist der Wachholder. Von dort aus gelangen die Sporen auf die Birne. Ist der Wachholder weg, reduziert sich auch der Befall. Mit Schachtelhalmbrühe kannst du den Baum zusätzliche stärken.

Bei Pockenmilben an Wein oder Gallmilben an Beeren ist meist keine Behandlung notwendig. Netzschwefel kann helfen, schadet aber auch Nützlingen. Am besten ist es, Raubmilben als Gegenspieler zu fördern.

Gegen Blattläuse kannst du unter anderem eine einfache Schmierseifen-Lösung einsetzen. Ameisen sind übrigens ein gutes Indiz für Blattlausbefall – genauso wie gekräuselte oder welke Blätter. Ameisen beschützen die Blattläuse, weil sie sich vom Honigtau ernähren, den die Blattläuse ausscheiden. Es wäre daher auch sinnvoll, etwas gegen sie zu unternehmen.

Jeder kann mitmachen

Wie funktioniert euer Crowdsourcing-Science-Projekt?

Verbreitungskarte

Foto: GartenBank-Projekt

Jeder hat die Möglichkeit, uns Fotos von kranken Pflanzen zu schicken. Das geht ganz einfach: Man wählt die betroffene Pflanzenart aus, macht ein Foto der gesamten Pflanze und ein Foto der betroffenen Stelle. Wenn man die Krankheit kennt, kann man sie selbst identifizieren.

Die Fotos lassen wir ab Herbst 2015 von Experten auf die abgebildeten Krankheiten, Schädlinge oder Mangelerscheinungen hin untersuchen. Nach der Bestimmung kommen sie in eine Datenbank und werden in die Verbreitungskarten übernommen. Auf unserer Webseite kann man nachschauen, aus welchen Regionen bisher Fotos eingegangen sind.

Warum sollte ich bei dem Projekt mitmachen?

Das Projekt lebt vom Mitmachen! Jedes Fotos unterstützt uns dabei, die Karte präziser zu machen. Gleichzeitig hilft uns das Feedback, die App stetig zu verbessern.

Ihr habt bisher mehr als 6000 Fotos erhalten. Welches hat euch am meisten überrascht?

Wir haben ein Foto von einer Tomate erhalten, die vom Krankheitsbild her von Fadenblättrigkeit befallen war: Die Pflanze war bis zur Hälfte normal gewachsen, entwickelte dann jedoch verwachsene, eingerollte Blätter, die wesentlich kleiner waren. Die Krankheit resultiert aus einer Mischinfektion durch das Tomatenmosaik- und das Gurkenmosaik-Virus und ist relativ selten. Daher war dieses Foto schon ein kleines Highlight.

Was passiert mit meinen persönlichen Daten, wenn ich euch ein Foto zusende?

Uns liegen das Vertrauen und der Schutz der Daten aller Beteiligten sehr am Herzen. Daher halten wir uns streng an die deutschen und europäischen Datenschutzbestimmungen. Der Benutzer bleibt durchgehend anonym. Wenn du uns zum Beispiel per E-Mail kontaktierst, werden deine Daten getrennt von den anderen Daten gespeichert und nur für den Zweck einer gewünschten Antwort genutzt. Wir verkaufen die Daten nicht an Werbetreibende oder ähnliche!!!

Die Daten werden über eine gesicherte Verbindung übertragen und auf gesicherten Servern gespeichert. Grundsätzlich erhalten wir nur Daten, die für die Funktionalität der App und für die Erstellung der Verbreitungskarten nötig sind. Die eingesandten Fotos werden bis auf die Standortangabe anonymisiert gespeichert. Den Standort brauchen wir ja für unsere Karte. 🙂

GartenBank-App ist kostenlos

Wo kann ich mir die App runterladen?

GartenBank-App Inhalt

Foto: GartenBank-Projekt

Die App ist im PlayStore erhältlich, aus Kostengründen bislang leider nur für Endgeräte mit dem Android-Betriebssystem. Ab Android 2.3 werden alle gängigen Versionen unterstützt. Wer uns Fotos schicken will, braucht natürlich ein Smartphone mit Kamera.

Was kostet die App?

Die App ist kostenlos. Das Projekt finanziert sich bisher ausschließlich aus privaten Mitteln. Viele von uns leben derzeit von ihren Ersparnissen, weil unsere Firma PEAT noch in der Gründungsphase ist.

Die App ist seit Juni 2015 erhältlich und inzwischen mehr als 10.000 Mal heruntergeladen worden. Inwiefern seid ihr mit dieser Resonanz zufrieden?

Wir sind sehr, sehr zufrieden mit der Resonanz. Ohne die vielen Mitmachenden und Unterstützenden wäre das Alles jedoch nicht möglich gewesen. 🙂

Natürlich hatten wir im Vorfeld gehofft, dass es uns gelingt, viele Menschen zu erreichen. Aber die Resonanz hat uns doch schon überrascht – und uns eine Menge wunderschöner Arbeit ermöglicht 🙂

Insgesamt haben wir in dieser Zeit eine Menge dazu gelernt und arbeiten kontinuierlich daran, die GartenBank zu erweitern. Denn: Die nächste Gartensaison kommt ganz bestimmt! 🙂 🙂

Zur Person:

Pierre Munzel hat zwar (noch) keinen eigenen Garten, ist aber ein leidenschaftlicher Pflanzenfreund. Gemeinsam mit sechs weiteren Natur- und Geisteswissenschaftlern, Programmierern und App-Entwicklern aus Hannover und Berlin bereitet er derzeit die Gründung der Firma PEAT (Progressive Environmental & Agricultural Technologies) vor. Ihr Credo: „Wir wollen nicht nur forschen, sondern auch etwas verändern.“ Die GartenBank ist ihr erstes Projekt.

PEAT

Pierre Munzel (rechts) und seine Kollegen vom GartenBank-Projekt. Foto: GartenBank-Projekt

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8 Kommentare zu “GartenBank-App hilft bei Schädlingen und Pflanzenkrankheiten

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    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Sabine,
      schick die Fotos doch via App an das Projektteam. Vielleicht können sie Dir weiterhelfen?! Ich drück Dir die Daumen!

      Kistengrüne Grüße,
      Mel

  2. Michi

    Wow geniale Idee! Vor allem einmal eine alternative zur chemischen Keule zu bieten, das gefällt mir besonders daran. Gibt es denn schon Neuigkeiten zu der App?

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hi Michi,

      soweit ich weiß, bastelt das Team gerade fleißig. Mehr wird aber nicht verraten. Noch nicht. 🙂

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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