Wenn es Anfang des Jahres knapp über 0 °C hat, schauen sie aus der Erde: Winterlinge gehören zu den ersten Frühlingsboten und sind wichtige Nahrungsquellen für hungrige Insekten.
Sobald sich die murmelgroßen, buttergelben Blüten über den aparten Laubkragen öffnen, entspinnt sich Jahr für Jahr dasselbe Gespräch zwischen meiner Kleingarten-Nachbarin und mir.
„Ach, die sind aber hübsch!“ rufe ich über den Gartenzaun.
„Ja, nicht wahr?“, ruft sie zurück. „Und so viel schöner als letztes Jahr.“
„Absolut. Und so viel mehr! Die passen doch alle gar nicht mehr ins Beet.“
„Doch!!!“
Und dann schauen wir uns an und müssen herzlich lachen. Jedes Mal.
Die Winterlinge sind ihr Schatz – und sie weigert sich standhaft, ihn zu teilen. Inzwischen wahrscheinlich aus Prinzip. Und ich finde das vollkommen in Ordnung. Nicht nur, weil ich schon so viele schöne Pflanzen von ihr bekommen habe.
Ich bin auch noch nicht bereit für Winterlinge. Denn so einen richtig guten Platz habe ich für sie noch nicht gefunden.
Winterlinge brauchen Ruhe
Dafür musst du wissen: Mein Kleingarten befindet sich im Umbruch. Vom Vorgänger habe ich reichlich Rhododendren, Azaleen, Kirschlorbeer, Schilfgras, Kanadische Goldrute und Thuja geerbt – das will ich erst mal nach und nach ersetzen.
Leider geht das nicht von heute auf morgen. Zumindest nicht bei mir.
Aufregung im Beet ist jedoch etwas, was Winterlinge gar nicht mögen.
Winterlinge wollen am liebsten ihre Ruhe. In der Erde buddeln, hacken, zurückschneiden – all das bekommt ihnen gar nicht.
Winterling-Arten
Falls es aber in deinem Garten oder auf dem deinem Balkon schon ruhige Ecken gibt, möchte ich dir diese Frühblüher ans Herz legen.
Winterlinge sind zwar nicht heimisch, zählen aber zu den Pflanzen, die Honigbienen und viele Wildbienen-Arten im zeitigen Frühjahr mit Nahrung versorgen.

Bei uns sind drei Arten verbreitet. In Asien gibt es weitere – auch weiß blühende.
- Am häufigsten ist bei uns der Gewöhnliche Winterling (Eranthis hyemalis). Er kam in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Italien nach Mitteleuropa.
- Der Türkische Winterling oder Kilikische Winterling (Eranthis cilicica) wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus eben jenem Gebiet nach England gebracht. Seine Blätter sind kleiner und feiner als das Laub des Gewöhnlichen Winterlings. Außerdem blüht er etwas später und soll Trockenheit besser vertragen.
- Vor etwas mehr als 100 Jahren wurden beide Arten gekreuzt – und daraus entstand der Tubergens-Winterling (Eranthis x tubergenii). Seine großen Blüten öffnen sich später und länger als die beiden anderen. Allerdings ist die Hybride steril und vermehrt sich nicht über Samen.
Podcast zu Winterlingen
Warum Winterlinge so früh im Jahr am Start sind, wo sie am besten wachsen und was es braucht, damit aus ein paar Pflanzen ein Blütenmeer wird, das alles (und noch mehr) erfährst du in der Podcast-Folge „Winterlinge: Blütenpracht im Schnee“ .
Auf der Website von Bremen Eins findest du noch weitere Folgen von „Grüner wird’s nicht“ zu Frühlingsblühern. Welche besonders gut für Wildbienen sind, kannst du im Blog-Beitrag „Pflanzen gegen den Herbstblues“ nachlesen.
Übrigens:
Blühende Knollen- und Zwiebelpflanzen kannst du auch jetzt noch setzen. Die Wildbienen werden es dir danken – in diesem und im nächsten Jahr!
Und jetzt du!
Welche Winterlinge hast du im Garten oder auf dem Balkon?

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