Wenn Mitte Mai die Nächte noch mal kalt werden, haben sicherlich die Eisheiligen ihre Finger im Spiel. Bis heute bekleiden Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia im Gartenjahr eine wichtige Rolle. Warum eigentlich?

Schnee in einem Tontopf mit Islandmohn

Schnee im Mai? Könnte bei Eisheiligen schon mal passieren…

Eisheilige.

Das klingt ein bisschen nach Märchenwelt: nach Eishexen, Schneeköniginnen und Väterchen Frost.

Und tatsächlich hängt von der Laune der eiskalten Fünf ein bisschen das Wohl und Wehe des Gärtners ab. Wenn sie nämlich die Aussaat oder empfindliche Pflänzchen erwischen, war’s das in der Regel. Dann sind Tomaten, Zucchini & Co. reif für den Kompost – aber nicht mehr für die Ernte. :-(

In alten Bauernregeln haben die Landwirte dieses Drama immer wieder in Versen umschrieben:
Die kalte Sophie macht alles hie.

Mamertius, Pankratius, Servatius
bringen oft Kälte und Verdruss.

Pflanze nie vor der kalten Sophie.

Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder,
was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.

Doch wer sind diese gestrengen Herren und ihre kalte Begleiterin, die so eine Macht über Gedeih und Verderb haben?!

 

Kälteeinbrüche im Mai

Balkonkasten mit Schnee, in dem ein lächelndes Gesicht gemalt ist

…muss aber nicht sein.

Streng genommen könnte es uns egal sein, wie diese Eisheiligen heißen. Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia sind schlichtweg christliche Heilige. Mit dem Gärtnern an sich haben sie rein gar nichts am Hut.

Dass sie für Gärtner und Landwirte dennoch von entscheidender Bedeutung waren und sind, hat vielmehr mit ihren Gedenktagen zu tun. Die sind Mitte Mai – genauer gesagt: vom 11. bis 15. Mai, wenn der Frühling uns normalerweise schon mit einigem Sonnenschein und warmen Temperaturen beglückt hat. Doch da es erfahrungsgemäß in dieser Zeit immer wieder Kälteeinbrüche und Nachtfröste gab, verpassten die Bauern diesen Tagen den Spitznamen „die Eisheiligen“.

Vor Nachtfrost du nie sicher bist,
bis Sophie vorüber ist.

Servaz muss vorüber sein,
willst vor Nachtfrost du dir sicher sein.

Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi.
Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.

Regionale Unterschiede

Ein Topf mit Rosmarin und Schnee

Manchen Pflanzen bekommt Kälte leider gar nicht. Einigen Rosmarin-Sorten zum Beispiel.

Die Eisheiligen und die damit verbundene Wetterlage sind in ganz Deutschland bekannt. Und auch aus meteorologischer Sicht sind sie nicht ganz von der Hand zu weisen.

Interessanterweise gibt es aber regionale Unterschiede: Während in Norddeutschland die Eisheiligen mit Mamertus am 11. Mai beginnen, tritt im Süden der Republik und in Österreich der erste Eismann mit Pankratius am 12. Mai auf den Plan.

Wetterkundlich gesehen lässt sich diese Ungenauigkeit ganz einfach erklären: Die arktische Polarluft braucht einfach einen Tag länger, um von Norden nach Süden zu gelangen.

 

Klimawandel: Eisheilige oder Schweißheilige?

Orangenefarbene Blüten des Islandmohn

Für den Islandmohn ist Kälte kein großes Problem. Die Eisheiligen steckt er gut weg.

In den vergangenen Jahren sind die Eisheiligen allerdings unzuverlässig geworden. Sie kamen entweder zu früh oder zu spät – und in einigen Regionen war es Mitte Mai sogar so warm, dass man sie kurzerhand in „Schweißheilige“ umtaufte.

„Neuere Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass die Häufigkeit von Kaltlufteinbrüchen Mitte Mai vor allem im süddeutschen Raum deutlich unter 50 Prozent liegt“, meldete denn auch der Deutsche Wetterdienst im Mai 2014. „Viele Experten führen die Veränderungen unter anderem auch auf den Klimawandel zurück, denn mit der stetigen Erwärmung der globalen Atmosphäre fallen auch Kaltlufteinbrüche im Mai immer weniger frostig aus.“

Ob der Klimawandel langfristig die Eisheiligen erledigt, bleibt abzuwarten. Bis dahin bleiben Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia für viele Gartenfreunde sicherlich eine feste Größe im Gartenkalender: Ab Mitte Mai beginnt für sie die schöne Gartenzeit.

Oder um es mit dem Volksmund zu sagen:

Pankraz, Servaz und Bonifaz
machen erst dem Sommer Platz.

 

Dieser Artikel ist auch auf dem Blog Diese Rombergs erschienen, für den ich regelmäßig als Gastbloggerin schreiben darf. Vielen Dank! 🙂

 

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Kategorien: FrühlingSäen und pflanzen

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

5 Kommentare

Im Balkongarten summt und brummt es - endlich! · 22. Mai 2017 um 4:55 pm

[…] habe schon gedacht, dieser Winter will gar nicht mehr enden. Doch schon zu den Eisheiligen hat sich die kalte, trübe Jahreszeit wohl endgültig […]

Tomatensorte Rote Murmel: Tipps zu Aussaat und Pflege · 9. April 2018 um 3:26 pm

[…] den Eisheiligen ab Mitte Mai sind in der Regel keine Nachtfröste mehr zu erwarten. Dann können die Pflanzen ins […]

Diese Kräuter und Gemüse-Sorten wachsen im Balkon-Garten 2018 · 27. April 2018 um 6:03 pm

[…] habe ich nicht weggeworfen, sondern in die Kisten gesetzt, in denen eigentlich nach den Eisheiligen in der zweiten Mai-Hälfte die Tomaten einziehen sollen… Dort sprießen noch eine selbst […]

Pflanzen vorziehen: Tipps für eine erfolgreiche Anzucht ⋆ Kistengrün · 15. März 2019 um 1:00 pm

[…] dass eine Aussaat im Februar für sie oft zu früh kommt. Sie ziehen nämlich erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai dauerhaft nach draußen um – und sind dann oft schon viel zu groß und schlabberig. […]

Frühjahrsputz auf dem Balkon: Besser spät als früh ⋆ Kistengrün · 26. April 2019 um 7:01 pm

[…] trockenen Blätter schützten sie nicht nur vor hungrigen Vögeln, sondern auch in kalten Nächten in den ersten Frühlingsmonaten – und davon gibt es ja noch ein paar bis Mitte Mai. Außerdem bildeten sie eine kleine […]

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