Kräuter, Gemüse und Blumen selber vorziehen macht Spaß – und ist oft viel günstiger als sie zu kaufen. Doch damit die Pflänzchen wachsen und gedeihen, gilt es, ein paar Dinge zu beachten. Hier sind meine Tipps für eine erfolgreiche Anzucht.

Erfolgreiche Anzucht von Kräutern und Gemüse auf der Fensterbank
Jedes Jahr ziehe ich einige Kräuter und Gemüse auf der Fensterbank vor.

Ein bisschen Erde, ein paar Samenkörner, Wasser, Wärme und Licht: Mehr braucht es eigentlich nicht, um Tomaten, Salat, Basilikum & Co selbst zu ziehen. Doch wie so oft steckt der sprichwörtliche Teufel bekanntlich im Detail und was sich leicht anhört, kann sich als verflixt entpuppen, wenn man es selber mal ausprobiert.

Die Erfahrung habe auch ich schon gemacht. Denn auch wenn du es nicht glauben magst: Auch bei mir geht ab und zu in der Anzucht was schief.

Vor allem in den ersten beiden Jahren meines Balkon-Gärtnerinnen-Daseins habe ich einiges falsch gemacht. Die Samen gingen nicht auf, die Keimlinge waren dünn und schwach oder standen in schimmliger Erde. Manchmal waren die Pflanzen noch zu retten, manchmal aber auch nicht.

Versuch macht klug – wirst du nun vielleicht denken. Andererseits musst du ja nicht unbedingt dieselben Anfänger*innenfehler machen wie ich. Das spart Geld und Nerven – und so manchen unschönen Anblick auf der Fensterbank.

Schließlich macht es doch mehr Spaß, kleinen, gesunden Keimlingen beim Wachsen zuzusehen!

Damit du die Pflanzen für deinen Balkon und Garten also erfolgreich vorziehen kannst, habe ich dir an dieser Stelle ein paar Tipps zusammengestellt.

1 Beginne nicht zu früh mit der Anzucht

Spätestens ab Anfang März kursieren sie in den sozialen Netzwerken: Fotos von gekeimten Tomaten-, Salat- und Chili-Samen. Ich bin dann immer ein bisschen neidisch – und merke, wie ich langsam nervös werde. Schließlich will ich den Start in die Gartensaison nicht verpassen!

Doch nicht immer ist es auch ratsam, gleich am ersten sonnigen Spätwintertag auch die Anzuchtschalen aus dem Keller zu holen und fleißig alles auszusäen.

Zwei Tomaten sind in eine grüne Bäckerkiste gepflanzt worden.
Spät ausgesäte Tomaten lassen sich im Mai einfach auspflanzen.

Gerade bei Tomaten habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Aussaat im Februar für sie oft zu früh kommt. Sie ziehen nämlich erst nach den Eisheiligen ab Mitte Mai dauerhaft nach draußen um – und sind dann oft schon viel zu groß und schlabberig. Kleine, kompakte Pflanzen hingegen kommen mit dem Umzug besser zurecht und holen den vermeintlichen Rückstand schnell wieder auf.

Das gilt natürlich nicht für jede Pflanze. Gerade Chili und Physalis brauchen etwas mehr Zeit, um sich zu entwickeln. Auch Petersilie und Schnittlauch kann man schon recht früh aussäen. Grundsätzlich beginne ich aber erst ab Mitte oder Ende März mit der Anzucht.

2 Wähle die richtigen Anzuchtgefäße

Für die Anzucht gibt es im Handel unterschiedliche Schalen und Töpfe. Sie sind in der Regel flacher und kleiner als Balkonkasten und Kübel.

Das spart nicht nur Platz auf der Fensterbank, sondern bekommt auch den Pflanzen ganz gut, weil die Wurzeln mehr Sauerstoff bekommen und sich so besser entwickeln können.

Anzuchtschalen aus Plastik und Pappe
Pappe oder Plastik: Mit welchen Anzuchtschalen kommst du zurecht?

Dennoch habe ich die Erfahrung gemacht: Ich komme nicht mit jedem Material gleich gut zurecht. Pappe und ich, wir sind leider kein gutes Team. Meist fing das Material schon nach wenigen Tagen an zu schimmeln.

Ganz gut klappt bei mir die Anzucht hingegen in flachen Schalen aus Kunststoff, die ich nicht extra kaufe, sondern upcycle. Und solange die noch halten, nutze ich sie weiter. Darin säe ich in der Regel Tomaten, Salat und Basilikum aus.

Zucchini, Kürbis, Petersilie und andere Topfkräuter säe ich auch direkt in kleine Töpfchen – die meisten sind davon aus Kunststoff. Davon habe ich noch eine ganze Menge aus den Vorjahren im Keller. Leider, muss ich fast sagen.

3 Verwende Anzuchterde

Erde ist nicht gleich Erde. Im Handel gibt es unterschiedliche Substrate für Gemüse, Orchideen oder Kakteen. Und auch für die Anzucht – sei es als Erde oder in Form von Quelltabletten.

Diese speziellen Substrate gelten als magerer als normale Erde. Das heißt: Sie haben weniger Nährstoffe und sind nicht zusätzlich gedüngt.

Tomaten Keimling Vorzucht Die Tomatensamen in der Schale mit Erde sind gekeimt.
In Anzuchterde können sich Keimlinge optimal entwickeln.

Auch wenn das jetzt seltsam klingt: Das ist gut für die Entwicklung der Pflanzen. Denn im Jungstadium sollen sie nämlich viele Wurzeln bilden und diese recken und strecken, um an Nahrung zu kommen.

Je mehr gesunde Wurzeln sie haben, desto schneller können sie später dann die Pflanzen mit Nährstoffen vorsorgen, damit sie wächst und gedeiht. Und desto standhafter ist letztlich auch die Pflanze.

Würdest du die Samen gleich in normale oder sogar gedüngte Erde säen, müssten sich die Pflänzchen diese Mühe gar nicht machen!

4 Säe nicht zu dicht aus

Aussaaten sind nicht unbedingt was für Grobmotorikerinnen wie mich. Schnell landen die Samenkörner zu dicht auf einem Fleck oder in der Reihe.

Und solche dichten Aussaaten sind nicht gut, denn die Keimlingen konkurrieren dann schon früh um Licht, Platz und die wenigen Nährstoffe. Und zum Pikieren sind sie dann oft noch zu fein.

Tomatensamen auf einem Zeigefinger
Ganz schön fein, diese Tomatensamen. Es geht aber noch kleiner!

Säe die Samen daher mit Bedacht und im empfohlenen Abstand aus – oder verziehe sie rechtzeitig. Die Pflanzen werden es dir danken und dich mit einer reichen Ernte belohnen.

5 Beschrifte die Aussaaten

Wachsen in dieser Schale jetzt Tomaten oder Salat?

Gerade wenn du viele unterschiedliche Gemüse und Kräuter vorziehst, macht es Sinn, die Anzuchtschalen zu beschriften. Und das idealerweise sofort, nachdem du die Samen ausgesät hast!

Anzucht Schilder für Aussaat selber basteln
Ohne Schilder wüsste ich nicht mehr, was ich wo gesät habe.

Viele Pflanzen entwickeln nämlich zuerst Keimblätter, die ganz anders aussehen als die normalen Blätter. Und die sich nicht immer so leicht unterscheiden lassen.

Für dich ist es kein Problem, einen Salat im Mini-Stadium von einer Tomate zu unterscheiden? Das ist super!

Dennoch könnte eine Beschriftung hilfreich sein – zum Beispiel wenn du verschiedene Tomatensorten vorziehst. Denn bis sich die Früchte bilden, fällt es mir zumindest schwer, Ruthje von einem Sibirischen Birnchen zu unterscheiden…

Hier gibt es Anleitungen für Pflanzenschilder aus Holz und für Pflanzenstecker aus Joghurtbechern.

6 Stelle die Aussaaten ausreichend warm und hell

Egal in welchem Stadium sie sich befinden:

Pflanzen brauchen Licht und Wärme um zu gedeihen. Und zwar im richtigen Verhältnis zueinander.

Eine Fensterbank mit Heizung ist daher nicht immer unbedingt ideal für die Anzucht. Gerade an kalten Wintertagen drehen wir gern noch mal am Thermostat – doch die Lichtverhältnisse sind nicht entsprechend gut.

Wenn die Keimlinge lang und dünn wachsen, fallen sie um.
Vergeilte Pflanzenkeimlinge kannst du nicht mehr auspflanzen.

Die Keimlinge aber wollen dieses Ungleichgewicht ausgleichen. Sie wachsen in die Höhe, der Sonne entgegen – und das möglichst schnell. Und dann fallen sie um, weil sie zu dünn sind.

Vergeilen heißt das in der Fachsprache. Solche Keimlinge werden dann in der Regel nichts mehr.

Für die Anzucht achte ich darauf, dass die Heizung darunter kaum noch an ist. Und ich stelle die Anzuchtschalen auf Bücher, damit die Pflänzchen rausgucken können. Auf die Straße oder zur Sonne – was immer ihnen besser gefällt.

Alternativ kannst du die Pflanzen natürlich auch unter speziellen UV-Licht-Lampen ziehen. Musst du aber nicht. Bei mir klappt es schon seit Jahren ohne.

7 Halte das Substrat ausreichend feucht

Pflanzensamen brauchen eine gewisse Feuchtigkeit um zu keimen. Daher ist es wichtig, dass die Anzuchterde nicht austrocknet.

Ich habe die Anzuchtschalen eine Zeitlang mit Frischhaltefolie überspannt, die ich erst entfernte, wenn die Pflänzchen von selbst dran stießen. Heute stelle ich sie meist in ein Mini-Gewächshaus, um die Luftfeuchtigkeit und die Wärme zu halten.

Mit einer Flaschenbrause Aussaaten anfeuchten.
Die Flaschenbrause im Einsatz.

Noch ein Satz zum Gießen: Das Substrat sollte feucht, nicht nass sein. Ansonsten können die Samen in der Erde gammeln. Ich verwende in der Anfangszeit am liebsten eine Sprühflasche. Mit dieser Anleitung kannst du auch ganz einfach eine Flaschenbrause bauen.

Mit Gießkannen haben ich eher schlechte Erfahrungen gemacht. Der Wasserschwall war meist zu stark und schwemmte die Samen aus der Erde oder knickte die zarten Pflänzchen ab. Ich bin halt eine Grobmotorikerin.

8 Lüfte das Gewächshaus regelmäßig

In geschlossen Systemen wie Mini-Gewächshäusern oder unter Folie kann es passieren, dass die Erde zu schimmeln oder die Pflanzensamen zu gammeln, wenn die Bedingungen nicht optimal sind. Häufig ist die erhöhte Luftfeuchtigkeit nach dem Befeuchten der Erde das Problem.

Mini-Gewächshaus auf der Fensterbank
Ein Mini-Gewächshaus auf der Fensterbank.

Ich habe mit angewöhnt, regelmäßig zu lüften und die Scheiben abzuwischen, wenn sie beschlagen.

Viel hilft halt nicht immer viel.

9 Pikiere die Pflanzen rechtzeitig

Deine Tomaten, Chilis und Paprika wachsen prächtig? Super, dann vergiss nicht zu pikieren!

Die Pflänzchen brauchen nämlich Platz um zu gedeihen. In der kleinen Anzuchtschale wird es ihnen nun schnell zu eng. Außerdem nehmen sie sich gegenseitig Licht und die wenigen Nährstoffe weg, die die Anzuchterde für sie noch bereit hält.

Basilikum pikieren Anleitung
Pikieren ist ganz einfach – und wichtig!

Durch das Pikieren vereinzelst du die Jungpflanzen und setzt sie in Töpfchen mit normaler Pflanzenerde um.

Als idealer Zeitpunkt zum Pikieren gilt in der Regel, wenn die Pflanzen das erste richtige Blattpaar (nicht die Keimblätter!) gebildet hat.

Wie du beim Pikieren vorgehst, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

10 Abhärten: Gewöhne die Pflanzen an die Sonne

Bevor die Pflanzen schließlich dauerhaft nach draußen ziehen, ist es sinnvoll, sie an die Bedingungen auf dem Balkon oder im Garten zu gewöhnen.

Denn zu viel Sonne kann für die Jungpflanzen zu Beginn so überfordernd sein, dass sie einen Sonnenbrand bekommen können!

Junge Tomatenpflanzen
Bevor ich die Tomaten auspflanze, stelle ich sie erst mal zeitweise raus.

Daher stelle ich sie vor dem Auspflanzen immer stundenweise nach draußen – am besten an einen windgeschützten, noch nicht allzu sonnigen Ort. Am Abend hole ich sie dann wieder rein, damit sie nicht erfrieren.

Wie sieht es bei dir aus?

  • Was ist dein Tipp für eine erfolgreiche Anzucht?
  • Welches Missgeschick ist dir schon passiert?


Mel

Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

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