Kistengrün

Warum Senf als Gründüngung nicht immer optimal ist

Gründüngung dient eigentlich dazu, den Boden zu schützen und ihn mit Nährstoffen anzureichern. Auch Senf gilt als Gründünger. Doch er kann auch alles andere als ideal sein und Krankheiten übertragen.

Senf in einem Balkonkasten

Senf kann man als Gründünger einsetzen – und die Blätter schmecken echt lecker!

//Hinweis: Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung. Ich habe ohne Gegenleistung einen Garten-Experten um Rat gefragt. Er wird im Text zitiert und namentlich genannt.//

Wer ab Herbst seinen Balkon oder Garten nicht weiter bepflanzen will, sät gern Gründünger in Beet und Kästen. Auch in meinem Balkon-Garten wachsen an vielen Stellen Phacelia und Inkarnatklee – sehr zur Freude der Insekten: Das sind nämlich tolle Bienenweiden für den Herbst!

Auch Senf kann man als Gründüngung einsetzen. Ich habe auf ihn aber zuletzt verzichtet. Und das liegt nicht nur daran, dass ich nicht gerade ein großer Senf-Fan bin. Obwohl ich zugeben muss: Die Pflanze schmeckt wirklich lecker!

Senf gehört zu den Kreuzblütlern – genauso wie diverse Kohlsorten, Radieschen oder Rauke. Bauen wir diese Gewächse ohne Pause nacheinander an, kann das Folgen haben.

Welche das sind, das wollte neulich Kistengrün-Leserin Josephine wissen. Und so habe ich mal wieder ein bisschen recherchiert und bei Hartmut Clemen nachgefragt. Er ist Landesgartenfachberater der Gartenfreunde Bremen e.V.

 

Kohlhernie durch Gründüngung mit Senf?

Mickriger Wuchs, vergilbte Blätter, aber verdickte Wurzeln ohne Hohlräume – so kann eine Kohlpflanze aussehen, die von der Kohlhernie befallen ist.

„Das Erkennungsmerkmal der Kohlhernie sind größere Wucherungen mit schorfiger Oberfläche (Gallen genannt) im Wurzelbereich. Betroffene Pflanzen müssen über den Hausmüll entsorgt werden, niemals über den eigenen Kompost, da sich sonst andere Pflanzen infizieren können.“

Hartmut Clemen, Landesgartenfachberater der Gartenfreunde Bremen e.V.

Die Kohlhernie ist eine Pflanzenkrankheit. Sie entsteht durch einen Erreger namens Plasmodiophora brassicae und befällt vor allem Kohlpflanzen wie Kohlrabi, Blumenkohl, Weißkohl und Brokkoli, aber auch Radieschen und Rettich.

Radieschen im Balkonkasten anbauen

Auch Radieschen gehören zu den Kreuzblütlern.

Um die Krankheit zu vermeiden, empfehlen Gartenbau-Fachleute wie Hartmut Clemen eine  Anbaupause von mindestens drei Jahren einzulegen. Und:

„Auch empfehle ich auf die Gründüngung von Senf und Raps zu verzichten, da sie als Kreuzblütler die Kohlhernie überträgt.“

Hartmut Clemen, Landesgartenfachberater der Gartenfreunde Bremen e.V.

 

Fruchtfolge einhalten – auch im Balkongarten

Das bedeutet natürlich nicht, dass du das Beet oder den Balkonkasten in dieser Zeit überhaupt nicht bepflanzen darfst! Es gilt vielmehr, nicht jedes Jahre Pflanzen aus derselben Familie an dieselbe Stelle zu setzen oder zu säen. Eine Fruchtfolge einhalten, nennen das Gärtner*innen.

Ein Beispiel: Ziehst du Radieschen, solltest du an dieser Stelle in den darauffolgenden Jahren nicht noch einmal Radieschen anbauen. Auch Kohlsorten wie Blumenkohl, Brokkoli oder Chinakohl und eben auch Senf sind für die kommenden Jahre tabu.

Phacelia und Klee

Phacelia und Klee bieten sich als Gründünger an

Als Alternative in der Fruchtfolge bieten sich zum Beispiel Salat, Spinat oder Erdbeeren an. Für die Gründüngung eignen sich Klee, Wicken und Phacelia.

 

Weitere Möglichkeiten, Kohlhernie zu vermeiden

Wenn du keine Lust hast, deinen Balkon-Garten so genau zu planen, gibt es noch eine andere Möglichkeit.

„Wenn Jungpflanzen von Kohl & Co. im Kübel gepflanzt werden, ist der Anbau jedes Jahr möglich: Es muss bloß die Kulturerde ausgetauscht werden.

Hartmut Clemen, Landesgartenfachberater der Gartenfreunde Bremen e.V.

Einfach mal die Erde austauschen – das ist im Garten natürlich nicht möglich. Aber auch hier hat der Gartenfachberater einen Tipp parat: Um einer Erkrankung vorzubeugen, gilt es, für einen optimalen pH-Wert zu sorgen.

Dieser sollte laut Hartmut Clemen zwischen 5,8 und 6,8 liegen. Den pH-Wert des Bodens kannst du über eine Bodenprobe feststellen. Indem du kohlensauren Kalk ausbringst, kannst du den Wert entsprechend anpassen.

Gelbsenf, Senf

So viel mehr als nur gelbe Körner: Senf schmeckt auch lecker im Salat!

Zum Glück hatte ich bislang noch keine Probleme mit Kohlhernie im Balkon-Garten. Und damit das in Zukunft auch so bleibt, säe ich Senf nicht mehr als Gründüngung, sondern ganz bewusst aus – um ihn dann für den Salat zu nutzen! :-)

 

Und du? Säst du Gründüngung in deinem Balkon-Garten aus?

 

Hast du Fragen zum Gärtnern auf dem Balkon? Dann schreibe mir eine E-Mail oder hinterlasse einen Kommentar! Ich freue mich auf deine Fragen!

4 Kommentare zu “Warum Senf als Gründüngung nicht immer optimal ist

  1. Pingback: Senf anbauen, ernten, essen!

  2. Pingback: Wintersalat mit Senfblättern und Feldsalat ⋆ Kistengrün

  3. Jörg

    Hi Mel,

    gerne greife ich auf deinen Vorschlag im Newsletter zurück und gebe meinen Senf zu deinem Beitrag ab:

    Anders als du, mag ich ja Senf sehr, sehr gerne. Und mein Asia-Salat war ein Highlight meines Balkonsommers.

    Mit Gründüngung und Fruchtfolgen habe ich mich bisher kaum befasst. Ich muss gestehen, dass ich bisher doch eher naiv balkongärtnere. (Ist der Term „Naives Gärtnern“ schon bekannt?) Trotzdem macht es mir viel Spaß und ich lerne ständig etwas dazu. Mir gefällt es, wie es dir gelingt, gärtnerisches Basiswissen informativ und unterhaltsam zu vermitteln, ohne besserwisserisch oder belehrend zu wirken. Erkenne ich da pädagogisches Talent?

    Toll auch dein neuer Newsletter. Die Idee, Themen bezogen weitere Blogbeiträge anzubieten, gefällt mir sehr gut. Leider gibt es noch keine Neuigkeiten zum Blütenstand-Quiz. Vielleicht im nächsten Newsletter?

    Liebe Grüße
    Jörg

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Jörg,

      vielen Dank, es freut mich, wenn du was Neues gelernt hast.
      Ich lerne ja auch immer was Neues dazu. Vor allem durch fragen – und die Fragen von euch! ;-)
      Naives Gärtnern – schöner Begriff, habe ich aber noch nirgends gehört. Solltest du dir patentieren lassen. :-) ich bin auch manchmal naiv, was das alles angeht. Deswegen hat es bestimmt auch nicht mit dem Asiasalat geklappt. Schade, aber ich werde es überstehen…

      Es freut mich auch, dass dir der neue Newsletter gefällt. Ich hoffe doch, dass sich das Konzept durchhalten lässt. Wir werden sehen. ;-)
      Neuigkeiten zum Quiz: ich hab auf deinen Kommentar geantwortet. Sorry, dass es solange gedauert hat. Ich war ein bisschen beschäftigt. Mit dem Newsletter. Aber deine Trefferquote ist schon mal super!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.