Kistengrün

Tomaten ausgeizen: Warum ihr Geiztriebe entfernen solltet

„Soll ich Tomaten ausgeizen?“, fragen mich derzeit viele Kistengrün-Fans. Tatsächlich ist es bei den meisten Sorten sinnvoll, die Triebe aus den Blattachseln zu entfernen. Es gibt aber auch Tomaten, die ihr nicht entgeizen müsst. :-)

Eine lkleine grüne Tomaten une eine Tomatenblüte

Noch ganz klein, aber bald groß und lecker: eine selbstgezogene Tomate!

Jede Gärtnerin und jeder Gärtner freut sich, wenn die Pflanzen üppig gedeihen.

Keine Frage – das geht mir natürlich auch so! Schließlich gibt es keinen schöneren Beweis dafür, dass man einen halbwegs grünen Daumen hat. :-)

Doch es gibt auch Pflanzen, bei denen zu viel Grün nicht unbedingt wünschenswert ist. Tomaten gehören aus Gärtnersicht dazu – egal, welchen Experten man fragt und welches Buch man konsultiert.

Macht ja auch irgendwie Sinn: Anders als bei Salat, Spinat oder Mangold wollen wir hier ja nicht die Blätter ernten und essen – auch weil das Kraut Solanin enthält und giftig ist!

 

Warum ihr Tomaten ausgeizen solltet

Grundsätzlich ist es erst einmal nicht schlimm, wenn eine Tomate buschig wächst.

Im Gegenteil: Es ist ein Zeichen dafür, dass es ihr gut geht, sie den Standort mag und sie ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist. :-)

Tomatenpflanzenwachsen buschig auf einem Balkon

Ganz schön dicht: Tomaten entwickeln jede Menge Grün.

Produziert die Tomate aber zu viele Triebe und Blätter, steckt sie weniger Energie in die Pflanzenteile, für die wir uns eigentlich interessieren: Blüten und – natürlich – leckere Früchte.

Am Ende der Saison mag eine Pflanze in der Summe dann vielleicht viele Früchte hervorbringen. Doch in der Regel sind diese Tomaten kleiner und reifen nicht rechtzeitig aus – weil die Pflanze eben sehr viel Zeit mit Wachsen verbracht hat.

An und für sich ist das zwar kein Problem. Schließlich kann man vollständig entwickelte, grüne Tomate nachreifen lassen.

Allerdings schmecken diese Früchte bei Weitem nicht so lecker wie sonnengereifte Tomaten. :-(

Der Haupttrieb einer Tomate ist abgebrochen.

Zu schwer: So sah der abgebrochene Haupttrieb der Balkontomate aus. :-(

Viel schwerwiegender kann allerdings ein anderes Problem werden: Ist die Pflanze zu ausladend geworden, wird es immer komplizierter, die Tomatenpflanze zu stützen und richtig festzubinden. Und dann kann sie unter der Last auch mal zusammen- oder besser gesagt: auseinanderbrechen! :-(

Das kann nicht nur bei großen Freilandsorten passieren: Mir ist im vergangenen Jahr eine kleine Balkontomate samt Fruchtstand umgeknickt, die ich gerade so noch retten konnte. Ärgerlich!

Nicht zuletzt freuen sich Tomaten über frische Luft zwischen den Blättern. Sind sie schlecht durchlüftet oder stehen sie zu dicht, können sie nämlich leicht Mehltau und andere Pilzkrankheiten entwickeln. :-(

 

Paradiesisch! Diese Paradeiser müsst ihr nicht entgeizen

Natürlich gibt es auch immer Ausnahmen von der Regel. :-)

Wer keine Tomaten ausgeizen will, sollte auf Wildtomaten wie Golden Currant, Rote Murmel, Humboldtii oder Pubescens zurückgreifen.

Früchte der Tomatensorte Rote Murmel

Klein, rot und tomatig-süß: Rote Murmel.

Wildtomaten gelten insgesamt als robuster, pflegeleichter und weniger anfällig für Kraut- und Braunfäule.

Ihr Nachteil: Ihr müsst sie gut verstäben, damit euch die Pflanzen nicht auseinanderbrechen. Und ihre Früchte sind von vornherein nicht so groß – dafür aber eben zahlreich. :-)

 

Daran erkennt ihr einen Geiztrieb

Bevor ihr euch ans Entgeizen macht, solltet ihr euch sicher sein, dass ihr tatsächlich einen Geiztrieb vor euch habt. Nicht, dass ihr einen Seitentrieb oder Blütenansätze erwischt. Das wäre echt ärgerlich!

Blühende Tomatenblüten

Wenn die Blüte erst mal blüht, kann man sie leicht von einem Geiztrieb unterscheiden. ;-)

Unter einem Geiztrieb verstehen Fachleute bei Tomaten einen kleinen Trieb, der aus einer Blattachsel wächst, also genau zwischen Stängel und dem Blattansatz.

Falls ihr unsicher seid, ob es sich um einen Trieb oder eine Blüte handelt: In der Regel bildet eine Blüte sofort Knospen, ein Geiztrieb erst Blätter.

Wenn sich das auf den ersten Blick nicht erkennen lässt, wartet lieber noch einen Tag oder zwei ab. Sicher ist sicher.

 

Tomaten ausgeizen – so geht’s

Grundsätzlich solltet ihr Geiztriebe so früh wie möglich entfernen – eben weil sie der Tomatenpflanze „unnötig“ Kraft raubt.

Außerdem verheilen große Wunden nicht so gut, so dass sich leicht Pilze einnisten können.

Tomaten ausgeizen: Eine Tomatenpflanze mit Geiztrieb, der aus der Blattachsel wächst

Bitte entgeizen: So sieht ein junger Geiztrieb aus, der zwischen Stängel und Blattachsel wächst und entfernt werden sollte.

Je jünger und kleiner die Geiztriebe sind, umso einfacher lassen sie sich auch aus der Blattachsel entfernen: Den Trieb einfach zwischen Daumen und Zeigefinder nehmen und vorsichtig mit dem Fingernagel abknipsen.

Sind die Triebe schon etwas größer, lassen sie sich meist nicht mehr ganz so einfach herausbrechen. Schneidet sie dann einfach vorsichtig mit einem scharfen Küchenmesser heraus, ohne den Haupttrieb zu verletzen.

Geiztriebe wachsen gern wieder nach. Daher ist es ratsam, Tomaten regelmäßig nach neuen Trieben abzusuchen und auszugeizen.

Übrigens:

Geiztriebe und auch welke, gesunde (!) Blätter müsst ihr nicht in der Biotonne entsorgen! Tomaten freuen sich im Sommer über eine Mulchdecke aus ihren eigenen Blättern. Sie verhindert, dass der Boden austrocknet.

So müsst ihr sie auch weniger häufig wässern. :-)

Viel Erfolg! :-)

 

Du hast auch eine Frage zum Balkongärtnern?
Dann schreibe mir eine Nachricht – über die sozialen Netzwerke oder per E-Mail! :-)

 

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16 Kommentare zu “Tomaten ausgeizen: Warum ihr Geiztriebe entfernen solltet

  1. Giorgio

    Haha, Mel wieder bei einem der ganz großen Themen!!! Ich denke nach noch nicht langjähriger, aber doch immerhin dreijähriger Erfahrung: Wer eine SORTE hat, die unweigerlich ausgegeizt werden soll, der tue es, dann, wenn die Geiztriebe noch ganz klein und zart sind. Genau so, wie auf Deinem letzten Bild. Das kann klappen. Aber ansonsten, abknicksen größerer Triebe, ich glaub´ inzwischen, da kommt dann erst recht die Braunfäule in die Wunde. Mir war Ausgeizen immer zuwider. Ich wähle zunehmend alte Sorten, die nicht ausgegeizt werden müssen. Und horche immer mehr auf Erich Stekovics! Alte Sorten wählen, bei Frostfreiheit in die Erde, angießen, und dann nichts mehr machen, nicht gießen, nicht ausgeizen, nicht hochbinden! Natürlich am Boden kriechend wachsen lassen und die hocharomatischen Früchte (mit geringerer Ausbeute, ja) dann ernten, indem man die Büsche etwas anhebt. Ich versuche es dies Jahr im Garten (und werde auf meinem Blog davon berichten). Auf dem Balkon: Da hat Stekovics möglicherweise auch eine Antwort: Mehrere Triebe an einem strahlenförmigen Gerüst wachsen lassen. Im Kübel muss man natürlich gießen. Auf dem Balkon muss man eventuell anbinden, aber auch nicht auf jedem. Aber, ausgeizen ist eine Frage der Sorte und des übertriebenen Ernteertragswunsches. Klingt vielleicht etwas radikal, vielleicht lasse ich mich in zwei, drei Jahren überzeugen, vielleicht ist aber bis dahin die Erich-Stekovics-Methode so verbreitet, dass man kopfschüttelnd an grauhaarigen Kleingärten mit Tomaten an den hässlichen Korkenzieher-Tomatenstützen vorbei geht.
    Herzlich Giorgio.

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Giorgio,

      schön, dass du auch einiges ausprobierst mit Tomaten! :-)
      Deine Anbaumethode klingt gar nicht so radikal. Schließlich gehen Tomaten ja nicht ein, wenn sie nicht ausgegeizt werden.
      Es ist nur die Frage, was man will. Und was geht.
      Auf dem Balkon ist leider nur wenig Platz, so dass es einfach schwierig ist, große, buschige Pflanzen zu ziehen. Vom Gießen mal ganz abgesehen!
      Ich hab es selbst ausprobiert und meine Wildtomaten nicht ausgegeizt. Sie haben super getragen, waren aber auf so wenig Raum eine Herausforderung.
      Ums Hochbinden komme ich also nicht herum. Und damit steigt natürlich auch die Gefahr, dass die Pflanze unter der Last bricht. :-(

      Im Garten sieht das sicherlich etwas anders aus.
      Ich bin gespannt, welche Erfahrungen du machst!

      Viel Erfolg und kistengrüne Grüße
      Mel

    1. Mel Autor des Beitrags

      Das stimmt! Tomaten duften herrlich, ich liebe diesen Geruch auch sehr. :-)
      Und die Tomaten offensichtlich auch!
      Die Triebe kann man ja zum Mulchen verwenden… :-)

  2. Pingback: Tomatenanbau: Experten-Tipps für eine reiche Ernte

  3. Cecilia

    Da ich meine Tomatenpflanze immer von der Sekretärin bekomme und nie weiß, was für eine Sorte es überhaupt ist, ergibt sich vieles immer erst im Laufe des Wachstums. Ich glaube, meine letzte Tomate habe ich zu sehr ausgegeizt und am Ende gerademal zwei Blütentriebe gehabt, daher hab ich es diesmal sehr sparsam angehen lassen.
    Und ich habe es öfter mal *umgekehrt* gemacht: wenn der Zweig eher klein war, hab ich den Geiztrieb größer werden lassen und schließlich den unteren Zweig entfernt. Auf die Weise habe ich ein paar zusätzliche Blütenzweige produziert.
    Tomaten sind nicht mein Favorit im Garten, ich bin eher der Wurzel- und Blattgemüse-Fan. Deshalb bin auch nicht allzu ehrgeizig und sehe der Ernte eher entspannt entgegen :-)
    LG

    1. Mel Autor des Beitrags

      Liebe Cecilia,

      solche Pflanzen-Überraschungen sind toll! :-)
      Allerdings hast du recht: Auch bei Tomaten kann es nicht unwichtig sein zu wissen, um welche Sorte es sich handelt. Oder zumindest, ob man sie ausgeizen soll oder nicht.
      Wenn man eine kleine Balkontomate hat, freut man sich über jede Blüte und jede Frucht. :-) In der Regel sind diese Sorten auch so gezüchtet, dass man sie nicht ausgeizen muss. Und wenn man es doch tut, passiert das, was du beschrieben hast: Am Ende kommt wenig bei rum.
      Letztlich ist das Ausgeizen ja auch nicht überlebenswichtig für die Pflanze. Sie geht in der Regel nicht ein, produziert nur eventuell zu viel Grün und zu wenige Früchte. Und wird leider je nach Standort krankheitsanfälliger…

      Die Idee, den Spieß mal umzudrehen und den Geiztrieb stehen zu lassen, ist übrigens genial. Vor allem wenn der eigentliche Trieb nicht so vielversprechend ist. Das werde ich mir merken, vielen Dank dafür! :-)

      Ich freue mich schon auf die ersten Früchte. Früher war ich auch nicht so der Tomaten-Fan. Aber seit ich weiß, wie viele tolle Sorten und Früchte es gibt, will ich sie nicht mehr missen auf dem Balkon. Problem ist nur, dass ich meist alle auf einmal haben will… ;-)
      In Sachen Wurzelgemüse fange ich gerade erst an. Ich bin gespannt, wie die ersten Möhren schmecken. Im Moment wachsen sie noch fleißig. :-)

      Ich wünsche dir einem ganz tollen Sommer und eine ertragreiche Saison!

      Kistengrüne Grüße
      Mel

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Giorgio,

      ein sehr interessanter Bericht, vielen Dank!
      Es freut mich, dass deine Tomaten offensichtlich auch ohne Ausgeizen wachsen und gedeihen. Bei mir wäre das allein schon aus Platzgründen nicht möglich.
      Wie sieht es denn mit dem Ertrag aus? Tragen denn die unausgegeizten Tomatenpflanzen genauso viele Früchte wie die ausgegeizten?
      Bin gespannt auf die weitere Auswertung deines Experiments! :-)

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  4. Jörg Achenbach

    Hallo Mel,

    das sind wirklich sehr hilfreiche Kommentare hier zu dem Thema. Ich habe dieses Jahr erstmals Tomatenpflanzen auf dem Balkon, deren Sorten ich nicht kenne. Jetzt werde ich erstmal sehr zurückhaltend mit dem Ausgeizen sein…..

    Liebe Grüße
    Jörg

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Jörg,

      ich finde solche Diskussionen auch immer spannend und bereichernd. :-) Gerade weil ich ja auch noch Erfahrungen sammle und das Gartenwissen nicht mit Löffeln gefuttert habe oder das Gras wachsen höre. ;-)
      Das Ausgeizen habe ich inzwischen auch einstellen müssen: Die Tomaten sind schon wieder so hoch gewachsen, dass ich ohne Leiter nicht mehr an die oberen Triebe komme… Ach ja. Wird schon. ;-)

      Kistengrüne Grüße
      Mel

  5. Claudia

    Hallo Mel,
    man kann aus Geiztrieben auch wieder neue Pflanzen ziehen. In meinem Kübel wächst jetzt noch (Ende November) eine über einen Meter hohe Pflanze, die aus einem fallen gelassenen Geiztrieb entstanden ist. (Als ich zuletzt geguckt habe, blühte sie sogar, aber die kalten Temperaturen werden ihr nicht so gefallen…) Ob die Triebe direkt in der Erde oder im Wasserglas besser bewurzeln weiß ich allerdings nicht, weil ich eigentlich immer genügend Sämlinge ziehe.
    Liebe Grüße!

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Claudia,

      hab vielen Dank für den Tipp!
      Das ist ja eine tolle Art und offensichtlich recht einfache Art, um Tomaten zu vermehren. Und wenn sie dann noch blüht, umso besser! :-)
      Tomaten bilden ja gern und sehr schnell Wurzeln, daher kann man sie beim Einpflanzen auch immer ein bisschen tiefer setzen.
      Wenn ich nächstes Jahr ein Plätzchen frei habe, wird das auf jeden Fall mal ausprobiert – in der Hoffnung, dass die Tomaten dann sehr schnell wachsen und nicht vom Frost überrascht werden. Aber das kommt auf einen Versuch an. :-)
      Vielen Dank! :-)

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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