Bärlauch

Vielleicht ist es Glück, vielleicht hat es die Natur so angelegt: Als ich heute den Balkon von den letzten Überresten des vergangenen Gartenjahres befreien wollte, warteten einige Überraschungen auf mich.

Den letzten Wochen über gehörte der Balkon den Meisen. Erst zögerlich, dann vormittags zwischen halb zehn und halb zwölf hingen sie an den vernetzten Beuteln mit Erdnüssen oder stibitzten sich einen Sonnenblumenkern aus dem Vogelhaus. Inzwischen kommen sie eigentlich den ganzen Tag über – je nachdem wie ihnen das Futterangebot so zusagt.

Heute legten sie allerdings eine größere Fresspause ein: Ich war auf dem Balkon – und zum ersten Mal seit Monaten länger als nur fünf Minuten. Irgendwie schien ihnen das nicht ganz geheuer. Sie saßen in der Weide gegenüber und beäugten mich. Auch Herr und Frau Amsel legten den Kopf schief und schielten Richtung Geländer, bevor sie sich mit einer dunklen Efeubeere im Schnabel aus Nachbars Garten davon machten.

Dabei hatte ich für heute noch gar nichts Spektakuläres geplant: Ich wollte nur die Blumentöpfe leeren, damit ich sie wieder frisch bestücken kann.

Doch dann stutzte ich: Ein bisschen Grün hier, ein zartes Knösplein dort. Nanu? Nicht nur mein Schnittlauch ist wohl schon im Aufbruch. Auch meine Goji-Beere, mein Bärlauch und meine Minzen regen sich. Selbst die Petersilie, die im vergangenen Jahr phasenweise arg schwächelte, will offensichtlich noch ein weitere Saison auf meinem Balkon verbringen. :-)

Goji-BeereBärlauchKatzenminzeWarum mich das so erstaunte: Seit Herbst haben die meisten Pflanzen nicht einen einzigen Tropfen Wasser bekommen – sie stehen unter einem Plastikdach. Die winterliche Dürre scheint ihnen nicht im Mindesten geschadet zu haben. Faszinierend.

Allerdings: Die Wicken, der Basilikum, der Ackerrittersporn und die Kornblumen haben es erwartungsgemäß nicht geschafft. Ich werde sie dennoch in guter Erinnerung behalten. Bis Ende November haben die Letzten noch geblüht. Ein Grund mehr, in diesem Jahr wieder welche auszusäen.

WickeBasilikumKornblumeWas die Meisen angeht: Die haben sich schnell wieder eingekriegt, als ich nicht mehr auf dem Balkon aufgetaucht bin. Allerdings müssen sie sich nun aber wohl oder übel daran gewöhnen, dass ich häufiger und länger in der Nähe ihrer Futterstelle abhängen werde. Im Dunkeln zu gärtnern ist mir dann doch zu blöd.

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Mel

Mel arbeitet als freiberufliche Journalistin und hat ein Herz für grüne Themen. Auf Kistengrün zeigt dir die begeisterte Balkon-Gärtnerin, wie du dir auf kleinem Raum ein grünes Paradies schaffst.

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