Kistengrün

Natürlich bekämpfen: Zehn Tipps und Hausmittel gegen Blattläuse

Blattläuse sind in diesem Jahr echt eine Plage. Kaum eine Pflanze ist vor ihnen sicher. Diese zehn Tipps helfen euch, die Schädlinge erfolgreich zu bekämpfen.

Die Larven der Florfliege saugen Blattläuse aus.

Die Larven der Florfliege saugen Blattläuse aus.

In meinem Balkongarten sind in diesem Jahr lausige Zeiten angebrochen. Im Salat, am Borretsch und auf dem Frauenmantel haben sich grüne, rote und schwarze Biester festgesetzt, die den Pflanzen ihren Lebenssaft rauben.

Ich teile ja gern mein Essen mit anderen.

Aber die Blattläuse sind in diesem Jahr echt unverschämt.

So unverschämt, dass einige Pflanzen diese Gier mit ihrem Leben bezahlen mussten. Ja, richtig gelesen: Blattläuse solltet ihr nicht unterschätzen. Meinen Basilikum haben sie innerhalb weniger Tagen gekillt. 🙁

Minze, Frauenmantel und Salat haben dagegen erfolgreich den Saftsaugern Widerstand geleistet – auch Dank der Maßnahmen, die ich euch an dieser Stelle kurz vorstellen möchte. Je nach Befall haben sich die eine oder andere beziehungsweise ein bisschen was von allem bewährt.

Eines sei an dieser Stelle aber noch mal ausdrücklich gesagt: Blattläuse sind hartnäckig. So schnell, wie sie da sind und sich vermehren, wird man sie leider nicht los. 🙁

Und sie sind nicht zu unterschätzen: Auf dem Honigtau, den sie produzieren, können sich Pilze ansiedeln, die wiederum die Fotosynthese der Pflanzen beeinträchtigen. Außerdem können Blattläuse Pflanzenviren übertragen.

 

1. Regelmäßige Kontrolle

Vorsicht ist besser als Nachsicht – vor allem weil man bei Blattläusen auch ganz schnell das Nachsehen haben kann (siehe oben). Bei meinen fast täglichen Streifzügen durch den Balkongarten checke ich daher immer, ob und wie stark die Pflanzen von Blattläusen befallen sind. So kann ich schnell handeln und das Schlimmste verhindern.

Blattläuse lieben weiche Pflanzenteile wie junge Triebspitzen, Blattachsen oder -unterseiten. Ob sich die Biester breit gemacht haben, könnt ihr leicht erkennen: Sie sind zwar klein, aber trotzdem noch mit bloßem Auge erkennbar.

Und sie hinterlassen meist eine süß-klebrige Spur: Honigtau, auf den es vor allem Ameisen abgesehen haben. Außerdem ist eine Blattlaus nur selten allein. 🙁

Blattläuse verstecken sich gern auf der Unterseite der Blätter.

Blattläuse verstecken sich gern auf der Unterseite der Blätter.

Pflanzen reagieren entsprechend auf den Befall: Blätter rollen sich ein, Triebe und Knospen sterben ab. Spätestens jetzt ist es Zeit zu handeln!

 

2. Befallene Pflanzen separat stellen

Pflanzen, die sehr stark von Blattläusen befallen sind, versuche ich möglichst weit weg von den anderen zu stellen, damit die Schädlinge nicht über greifen. Das ist Dank der Kübel auf einem Balkon ja ein bisschen einfacher als im Garten.

Kommt jetzt also nicht auf die Idee, den Rosenbusch ausgraben oder den halben Garten umzugraben! 😉

 

3. Pflanzen optimal pflegen

Schädlingsbefall und Krankheit hat oft / manchmal / meist auch mit schlechter Ernährung und Pflege zu tun.

Auch bei Pflanzen.

Daher solltet ihr sicher stellen, dass eure Pflanzen optimal mit Nährstoffen und Wasser versorgt sind. Bei kümmerlichen Pflanzen haben Blattläuse leichtes Spiel. Und das ist leider auch recht schnell zu Ende. 🙁

Ich schreibe hier bewusst: optimale Versorgung.

Zu viel Dünger gilt nämlich als nicht optimal!

Zumal Blattläuse offensichtlich den darin enthaltenen Stickstoff äußerst anziehend finden!!!

 

4. Mischkultur gegen Blattläuse (1)

Monokulturen sind ein Paradies für Blattläuse.

Sie können sich nach Belieben ausbreiten ohne gestört zu werden. Offensichtlich gibt es aber die ein oder andere Pflanze, die sie nicht so lecker finden oder nicht gut riechen mögen. Tagetes, Bohnenkraut und Knoblauch, zum Beispiel. Oder Anis, Koriander und Lavendel.

Seit ich den Lavendel-Topf zwischen die von Blattläusen geplagten und teilweise befreiten Minze und Frauenmantel gestellt habe, hat sich kaum eine Blattlaus mehr sehen lassen.

Dabei duftet der Lavendel doch so herrlich…! 🙂

 

5. Mischkultur gegen Blattläuse (2)

Dieses Blatt muss weg: Blattläuse haben die Kapuzinerkresse gekapert.

Dieses Blatt muss weg: Blattläuse haben die Kapuzinerkresse gekapert.

Kapuzinerkresse ist keine Pflanze, die Blattläuse abschreckt.

Im Gegentei: Blattläuse lieben Kapuzinerkresse.

Daher ist sie eine Art „Opferpflanze“: Sie zieht die Schädlinge an – und dafür lassen diese dann die anderen mehr oder weniger in Ruhe.

Auch hier gilt: Die befallenen Blätter und Triebe regelmäßig entfernen!

 

6. Blattläuse absammeln

Wenn sie noch keine Kolonien gebildet haben, lassen sich Blattläuse leicht von Hand entfernen.

Die Pflanzen rund um meinen Stammplatz sind so gut wie Blattlaus-frei: Ich streife sie mit den Fingern ab und zerquetsche sie zwischen Daumen und Zeigefinger.

Ja, ich töte Blattläuse mit bloßen Händen: Einfach nur abstreifen nützt nichts, sonst klettern sie die Pflanzen wieder hoch. Dann kann ich auch gleich die Finger von ihnen lassen. 🙁

 

7. Mit Wasser gegen Blattläuse

Wem das Absammeln zu eklig ist, kann auch die Blattläuse auch mit einem harten Wasserstrahl die Pflanzen abspülen. Blattunterseite nicht vergessen (siehe oben)!

Bei zarten Treiben und Pflänzchen solltet ihr allerdings vorsichtig sein: Die Wucht des Wassers lässt sie schnell einknicken.

Auch bei praller Sonne solltet ihr auf die Dusche besser verzichten, da die Blätter verbrennen können.

 

8. Blätter und Triebe abschneiden

Blattläuse lieben zarte Triebe.

Blattläuse lieben zarte Triebe.

Auch wenn es bitter ist: Manchmal sind Blätter, Triebe oder Knospen so sehr befallen, dass ein Abstreifen müßig ist.

Dann greife ich lieber zur Schere oder breche die befallenen Pflanzenteile ab und werfe sie in die Biotonne. Vor allem bei der Kapuzinerkresse hat sich dieses Vorgehen bewährt.

In der Regel wächst die Pflanze nach – und zwar kräftiger als zuvor. 🙂

 

9. Spritzmittel gegen Blattläuse

Es gibt diverse Möglichkeiten, Spritzmittel gegen Blattläuse einzusetzen.

Zu synthetischen Mitteln würde ich aus Prinzip nicht greifen:

  1. will ich die meisten Pflanzen noch essen.
  2. töte ich damit nicht nur Schädlinge, sondern auch Nützlinge!
  3. gibt es auch einige Alternativen, die sich leicht selbst herstellen lassen.

 

Diese Spritzmittel gelten als effektiv:

  • Brennnessel: Einen Eimer mit Brennnesseln füllen und mit Wasser aufgießen. Das Ganze einen Tag ziehen lassen.
  • Wermut-Tee:  Drei Gramm pro Liter mit weißem Wasser aufbrühen, eine Viertelstunde ziehen und abkühlen lassen.
  • Knoblauch: Eine Zehe zerkleinern und in einem Liter Wasser aufkochen. Den Sud einen Tag ziehen lassen.
  • Neembaum-Samen

Die Lösungen und Sude unverdünnt auf die Pflanzen spritzen – fertig!

Vorsicht bei Spritzmitteln aus Schmierseife: Auch sie gelten zwar als effektiv, können aber weichhäutige Larven von Schwebfliegen und anderen Nützlingen töten!

 

10. Nützlinge gegen Blattläuse

Es gibt jede Menge Tiere, die sich von Blattläusen ernähren. Also sie auffressen, aussaugen oder anderweitig kalt stellen.

Als Helfer in der Blattlausnot gelten die Larven von Schweb- und Florfliegen, Schlupfwespen, Ohrenzwicker, Spinnen und Vögel sowie Marienkäfer und ihre Larven.

Ameisen zählen nicht dazu!

Sie ernähren sich nur vom Honigtau, den die Blattläuse produzieren – und sie dafür sogar bereit, die grünen Schädlinge zu verteidigen!

Die Larven der Florfliegen haben Blattläuse zum Fressen gern.

Die Larven der Florfliegen haben Blattläuse zum Fressen gern.

Ein Marienkäfer bei der Arbeit: Blattläuse dezimieren.

Ein Marienkäfer bei der Arbeit: Blattläuse dezimieren.

Nützlinge könnt ihr zum Beispiel mit Hilfe eines Insektenhotels ansiedeln.

Solltet ihr keine Nützlinge auf dem Balkon haben: Keine Panik! In Gartencentern oder im Internet könnt ihr inzwischen Larven kaufen und sie eigenhändig auf den befallenen Pflanzen verteilen.

Ich gebe zu: Diese Methode ist mein absoluter, persönlicher Favorit.

Ich werde so nicht nur endlich Blattläuse los, sondern kann auch entspannt die Entwicklung eines Marienkäfers beobachten! 🙂

 

Warum ein komplett Blattlaus-freier Balkon nicht erstrebenswert ist

Egal, welche Methode ihr anwendet: Einen komplett blattlausfreuen Balkon werdet ihr wohl nie haben.

Und das ist auch gut so.

Blattläuse sind zwar nervig, sie übernehmen aber auch eine wichtige Funktion im Ökosystem – eben weil sich so viele Nützlinge von ihnen ernähren.

Treten Blattläuse im Frühjahr und im Frühsommer vermehrt auf, geht der Bestand danach erfahrungsgemäß zurück, sobald die Fressfeinde aktiv werden.

Habt also Geduld! 🙂

 

Sicherlich habe es jetzt nicht alle Möglichkeiten aufgezählt, Blattläuse zu bekämpfen. Wie werdet ihr die Schädlinge los?

 

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10 Kommentare zu “Natürlich bekämpfen: Zehn Tipps und Hausmittel gegen Blattläuse

  1. Giorgio

    Superspannend Deine Zusammenstellung, danke Dir, Mel!
    Du schneidest mir zugleich ohne jede Absicht in die Seele, denn ich habe gestern etwas sehr dummes gemacht, das mir heute so leid tut: Ich habe ein Geißblatt, das immer ziemlich krank ist, aber bald blüht – hoffentlich. Es sieht aber konstant sehr schmutzig aus, ich dachte, es seien Blattläuse, da ich im Mai Juni oft mit Brennnessel dagegen spritzen musste.

    Da es aber immer noch Blattläuse zu geben schien, habe ich gestern früh mit einer sehr leicht konzentrierten Spühlmittellösung dagegen gesprüht (1 an der Flache abgestreifter Finger Spülmittel auf 1(2 Liter) Wasser. Da kamen dann plötzlich mindestens 5 ganz komische, schmierige, Nacktscneckenartige Tiere hervorgeschleimt. Ich dachte, ach DU Mist, das sind die Übeltäter, die ich nur bisher nie sah. Und ich habe, zu meiner Schande, angefangen sie zu zerquetschen. Zum Glück war eine Freundin dabei, die wusste, das sind Schwebefliegenlarven. Sie ESSEN nämlich auch sehr viele Blattläuse. Sie hinterlassen aber auch schwarzen Kot.

    Also, wenn man die hat, dann kann man sich glücklich schätzen. Offenbar hatte es doch immer wieder wenige Blattläuse gegeben, die von den Schwebefliegenlarven gegessen worden waren. Der Schmutz auf den Blättern war deren Kot, keine Blattläuse. Ich hoffe, einige haben meinen Blödsinn überlebt (ich habe noch einig gesehen, später, und hoffe, das Spülmittel haben sie überlebt). Ich bin benommen vor Scham und Gram, dass ich so schnell und fatal gehandelt habe.

    Zum Selberzerquetschen von Blattläusen: Mein Vater verwendet dazu ein Taschentuch! Das legt er um den befallenen Trieb, dann quetscht er. Vorteil: Weniger Blattläuse fallen ab.

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Giorgio,

      das klingt ja echt dramatisch, was da auf Deinem Balkon abgelaufen ist. 🙁
      Ich muss gestehen, mir ist am Anfang fast das Gleiche passiert: Als ich meine erste Marienkäfer-Larve sah, dachte ich auch erst: Iiiieh, die muss weg!
      Zum Glück hat dann aber doch die Neugier gesiegt – und ich habe recherchiert, wer da in meinem Salat sitzt.
      Wir sind nicht perfekt. Und in Sachen Gärtnern kann ich für mich nur sagen: Ich habe noch jede Menge zu lernen. Aber es wird mit jedem Tag besser. Inzwischen freue ich mich sehr, wenn ich eine solche Larve finde!
      Und auch Du solltest Dich nicht so ärgern – immerhin hast Du ja noch gemerkt, dass es sich um nützliche Larven handelt! Das nächste Mal sind wir beide schlauer. 😉

      Kistengrüne Grüße
      Mel

      PS: Das mit dem Taschentuch ist eine gute Idee – danke für den Tipp!

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  8. Bine

    Bei Blattläusen wird ja immer wieder auf Brennesseljauche hingewiesen. Mir kam deshalb der Gedanke zu testen, ob die Brennessel auch anderweitig gegen Blattläuse hilft. Deshalb lege ich seit drei Jahren eine dicke Schicht Brennesselblätter unter den Wurzelballen meiner Stiefmütterchen, wenn ich sie einpflanze. Bisher sind sie von Blattläusen verschont geblieben.

    1. Mel Autor des Beitrags

      Hallo Bine,

      das ist ein toller Tipp – vielen Dank!!! 🙂
      In diesem Jahr landete Brennnessel eher auf meinem Teller als in der Kiste. Aber ich werde das mal ausprobieren.
      Durch die Mulchschicht trocknet die Erde bestimmt auch nicht mehr so schnell aus… und ein bisschen gedüngt wird auch noch. Also eigentlich nur Vorteile – abgesehen von der brennenden Nessel…
      Das muss ich unbedingt ausprobieren! Danke!!! 🙂

      Kistengrüne Grüße
      Mel

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